Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Historiker und Buchautor
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Eine neue Untersuchung zum Untergang des historischen templerordens

 

 

 

 

 

Wie wehrten sich die Tempelritter gegen ihre Verfolger? 

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Stefan Winckler

 

Fachkundige Leser konnten aus guten Grund das Gefühl haben, spätestens mit Malcolm Barbers „Der Templer-Prozess“ (Düsseldorf 2008) sei so gut wie alles über den Untergang des historischen Templerordens gesagt. Selbst die Prozessprotokolle sind seit langem veröffentlicht (Michelet, J.: Le procès des Templiers, 2 tomes, Paris 1851). Alain Demurger (Jg. 1939) fand jedoch weitere Quellen, und zwar über das Leben der Tempelritter während der Verfolgung, so dass er 2015 seine Ergebnisse unter dem Titel „La persecution des templiers. Journal (1305-1314)“ vorlegen konnte. 2017 erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Die Verfolgung der Templer“ bei seinem deutschen Stammverlag C.H. Beck, so dass er nach „Die Templer“, „Die geistlichen Ritterorden“ und „Der letzte Templer“ dort bereits das vierte Buch in gewohnter Qualität veröffentlichen konnte.

Demurger, Prof. em. für mittelalterliche Geschichte, richtet sein Augenmerk insbesondere auf die Templer selbst, und analysierte die Gegensätze zwischen Philipp dem Schönen und Clemens V.: der Papst war kein bloßes Werkzeug in den Händen des Königs! Und: Wie reagierten die Tempelritter? Leisteten sie Widerstand? Fühlten sie sich von der Kirche vielleicht sogar ermutigt?

Dabei nutzt Demurger eingehend die veröffentlichten Quellen, auch die Editionen der deutschen Historiker Konrad Schottmüller und Heinrich Finke, sowie die einschlägige Literatur, die in den Jahren seit 2000 um viele Titel erweitert worden ist. Die sehr bedeutende Urkundenedition Finkes ist übrigens online vollständig nachzulesen: https://archive.org/stream/papsttumundunte02finkgoog#page/n254/mode/2up.

Ergebnisse: Schon Ende 1307 widerriefen Templer ihre Geständnisse. Sie widersprachen tapfer den Anklagen – hunderte Templer erstellten im Jahr 1310 Bitt- und Denkschriften, sie bestimmten vier Sprecher für ihre Verteidigung. Insgesamt waren es 43 Templergruppen, häufig Knappen, aus allen Teilen Frankreichs. Die zugehörige Kapitelüberschrift „Aufstand der Templer“ erscheint aber zu reißerisch (vermutlich war der Übersetzer dafür verantwortlich), denn ein bewaffnetes Aufbegehren war nicht möglich.

Besonders aufschlussreich ist die Karte des mittelalterlichen Paris mit dem Tempel und den Inhaftierungsorten der Templer sowie der Beitrag über die Haftbedingungen. Es gelang Demurger sogar, die Haftkosten aufzulisten.

Insgesamt handelt es sich um ein Fachbuch, das der Templerforschung wertvolle Dienste leistet – was freilich von Demurger auch zu erwarten war. Lediglich ein paar Fotos hätten der ansonsten vorbildlichen Gestaltung gut getan: zwar werden die Kritzeleien von Templern an den Wänden ihrer Gefängniszellen in Domme erwähnt (S. 284), aber jene Zeilen wie „Destructor Templi Clemens V“ sind leider nicht abgebildet. Auch Fotos von unveröffentlichten Urkunden (in der Bibliografie aufgelistet) hätten dem Buch gut getan – was aber die Leseempfehlung nicht ernsthaft beeinträchtigt.

 

Alain Demurger: Die Verfolgung der Templer. Chronik einer Vernichtung 1307-1314. München: C. H. Beck, 2017

 

 

 

 
© Dr. Stefan Winckler