Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Templerwirklichkeit und templersage

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Stefan Winckler

Die Templer in Roth an der Our und in Vianden

 

Roth, ein Weiler von nicht einmal 200 Einwohnern unmittelbar an der Grenze zum Großherzogtum Luxemburg war ein Standort des mittelalterlichen Templerordens. Über diese Niederlassung gibt es einige kurze Beiträge u.a. im Templerlexikon der Universität Hamburg (http://www.templerlexikon.uni-hamburg.de/TDF-R2.html) und in Joe Labondes „Die Templer in Deutschland“ (Aachen 2010), die jedoch auf den seinerzeitigen und heutigen Bauzustand ebenso wenig eingehen wie auf die derzeitige Erinnerungskultur vor Ort.

Zur Gründung schreibt Hirschmann in den Historisch-politischen Blättern für das katholische Deutschland, Jg. 159 (1917), S. 131-135, hier S. 133: „Graf Philipp von Vianden [übergab] den Tempelherren einen Hof zu Roth an der Ur nebst dem Besetzungsrecht der dortigen Pfarrei im Jahre 1228, was zu Mißhelligkeiten mit dem Domkapitel zu Trier und den Trinitätiern [Trinitarierorden] führte, welche 1262 beigelegt wurden“.

Was hatte es mit diesen Streitigkeiten auf sich? Graf Heinrich hatte den Dreifaltigkeitsorden, auch bekannt als Trinitarierorden, 1248 nach Vianden gerufen, der sich ein Kloster aufbaute. Dies ließ die Templer um ihre Pfarrei und ihre Einnahmen sorgen. Das Problem konnte gelöst werden, indem der Trierer Erzbischof Arnold II. von Isenburg dem Dreifaltigkeitsorden gestattete, unverzüglich ein eigenes, noch heute als Trinitarierkirche bekannte Gotteshaus zu bauen, während die Templer (und als ihre Nachfolger die Johanniter) die Pfarrherrn in der Unterstadt blieben und auch weiterhin in den Genuss des Zehnten kamen. Bis zur Fertigstellung der Klosterkirche durften die Trinitarier die Burgkapelle nutzen, die anschließend an die Templer überging. Ebenerdig versammelten sich zur Heiligen Messe die Stadtbewohner, oben die Schlossbewohner. Vianden entwickelte sich in unserer Zeit zu einem touristisch attraktiven Ort, was auch an der landschaftlich reizvollen Umgebung lag. Der luxemburgische Staat restaurierte die stark verfallende Burgruine ab 1977.

Nach der Aufhebung des Templerordens 1312 fielen ihre Besitzungen an die Johanniter, die bis zum Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 an der Our blieben (vgl. http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=7103).

Originale Bausubstanz aus der Templerzeit hat sich in der Rother Pfarrkirche St. Peter stellenweise erhalten, die nach Aufhebung des Ordens in den Besitz der Johanniter kam und in den folgenden Jahrhunderten umgebaut wurde. Das daneben stehende Schloss ist hingegen aus dem 18. Jahrhundert.

Im Dorf Roth erinnert die Templerstraße an die einstigen Ordensritter, ebenso eine Johanniterstraße. Das Ortswappen zeigt drei weiße Malteserkreuze auf rotem Grund.

Passend zur Geografie, doch unpassend zu den wahren Eigenheiten der Tempelritter existiert die Sage über die Tempelritter zu Roth. Unbeeindruckt von der Aufhebung ihres Ordens hätten die örtlichen Templer eine schlimme Herrschaft über die Menschen der Umgebung ausgeübt. Sie hätten sich an der Ernte vergriffen und sogar Kinder geraubt. So geschah es auch, dass sie ein kleines Mädchen entführten, das seinen Vater zum Holzsammeln in den Wald begleitet hatte. Jener Tagelöhner bemerkte das Verschwinden seiner Tochter rechtzeitig, suchte verzweifelt und konnte gerade noch erkennen, wie die raubritterlichen Templer das Kind gefesselt in eine versteckte, mannshohe Höhle verschleppten. Doch das Erscheinen des Vaters blieb den (vermeintlichen?) Templern nicht verborgen, so dass deren Anführer ihn anherrschte: „Schwöre mir beim Leben dieses indes und bei dem Gott, an Du glaubst, dass Du keiner Seele, keinem Menschen etwas erzählst von dem, was du hier gesehen hast. Schwöre es bei deiner Seele und ich lass das Balg am Leben und unsere Wege trennen sich hier“.

Der Mann überlegte kurz, sagte zu, und nahm sein Kind unverletzt wieder nach Hause. Und er verzichtete darauf, es direkt und unmittelbar weiter zu melden. Doch sprach er so laut, dass alle Menschen im Dorf es hören konnten, zu einem Feldblock: „Dir, Stein, sage ich nun, dass die Templer einen Tunnel benutzen, dessen Eingang oben am Eichwald am Ende des toten Pfads hinter einem Gesträuch liegt“.

Binnen Kurzem war die Templerniederlassung von den Truppen des benachbarten Grafen von Vianden im Kampf erobert und die überlebenden Ritter von einem Gericht zu Tode verurteilt. Dann herrschte wieder Friede (vgl.: Ilona E. Schwarz: Feen und Gnome, Damen und Helden – und der Teufel höchstselbst: Sagen und Legenden aus Deutschland. BoD, 2016, Kurzfassung der Sage: http://www.eifel-sagen.de/sagen/sagen-geschichten/33-die-tempelherren-von-roth; Autor: Hans Theis, Neuerburg).

Offenbar haben hier lange nach dem realen Untergang der Templer die Einwohner die Raubritter, die es ungefähr zur gleichen Zeit gegeben haben mag, mit den christlichen Ordensrittern verwechselt und Vorkommnisse zunehmend übertrieben ausgeschmückt. Denn die Tempelritter, deren Orden im Johanniterorden aufging, hätten doch am wenigsten Grund gehabt, sich in Verbrecherbanden durch die Lande zu schlagen!

Auch andere Templersagen aus der Eifel und den Ardennen zeichnen ein unrealistisches, geradezu gehässiges Bild von den Tempelrittern. Möglicherweise sind mit den angeblichen Templern aber die Römer gemeint, die in Tempeln (templi) ihre Heidengötter verehrten, während die Bauern und Waldbewohner ihren Glauben draußen, in der Natur, ausübten. Das Strafgericht wäre dann der Einfall der Hunnen gewesen. Die These von den Römern als angebliche „Templer“ wird noch plausibler angesichts der Verortung der Sagen an den Stellen altrömischer Überreste (vgl. Max von Malinckroth: Die Tempelherrensagen der Eifel und der Ardennen, online: www.woenge.de/woeng/artikel/tempelherrensagen.html).

 

 
© Dr. Stefan Winckler