Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Historiker und Buchautor
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Zisterzienser im Rheingau

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Stefan Winckler

Auf den Spuren der Mönche: Besuch im Kloster Eberbach

 

Geschichte

 

1115/16 siedelten sich im Rheingau Augustiner-Chorherren an, denen Benediktiner 1131 folgten. 1136 entsandte Bernhard von Clairvaux – der die Tempelrittern durch seine Schrift „Lob des neuen Rittertums“ maßgeblich förderte – 13 Zisterzienser unter Abt Ruthard von Clairvaux in das enge Waldtal, das zum Erzbistum Mainz gehörte. Dort, abseits von Siedlungen, sollte das karge, einfache Leben im Sinne der frühen Benediktiner beispielhaft umgesetzt werden. Tatsächlich wurde das Hochmittelalter zur Blütezeit einer Zisterziensergemeinschaft, die sich in Eberbach aus bis zu 150 Mönchen und bis zu 300 Laienbrüdern zusammensetzte. Im 14. und 15. Jahrhundert erweiterten die Mönche, die bisher nur von ihrer eigenen Hände Arbeit lebten, ihre Wirtschaftsstruktur, indem sie Lohnarbeiter einstellten, Besitzungen verpachteten, Funktionsräume zu Weinkellern umwidmeten. Eberbach wurde zu einem Zentrum des Seelsorge und Wissenschaft gewannen an Bedeutung. Der Bauernkrieg von 1525 traf auch dieses Kloster hart, insbesondere durch Plünderungen. So wurde das berühmte große Fass mit seinen 71.000 Litern zerstört. Noch stärker hatte das Kloster im Dreißigjährigen Krieg zu leiden: Mönche mussten vor hessischen und schwedischen Truppen fliehen, die reichhaltige Klosterbibliothek wurde teils zerstört, teils verschleppt. Erst im 18. Jahrhundert blühte das Kloster wirtschaftlich wieder auf. Nun wurde im Barockstil genaut, was freilich einen Gegensatz zum asketischen Stil der mittelalterlichen Zisterzienser bedeutetete. Etwa 30 bis 40 Mönche besiedelten seinerzeit das Kloster. 1803 wurde das Kloster Eberbach aufgehoben und dem Fürstentum Nassau-Usingen als Entschädigung für dessen verlorenen linksrheinischen Besitz übereignet (Säkularisierung). In seinen Mauern befanden sich fortan ein „Arbeitshaus“ und ein „Irrenhaus“, der Weinbau lebt bis heute fort. 1866 fiel auch Eberbach an das Kgr. Preußen. 1926 bis 1939 konnte die Gesamtanlage wirtschaftlich instand gesetzt werden, die wertvollsten Räume wurden restauriert. Nach 1946 wurde das Kloster durch die Hessischen Staatsweingüter verwaltet. 1986 begann die Generalsanierung durch das Land Hessen. 1998 kam Kloster Eberbach – dessen Wiederbesiedlung duch geistliche Orden mehrfach scheiterte – in das Eigentum der gemeinnützigen Stiftung Kloster Eberbach.

Der 875. Jahrestag des Einzugs der Zisterzienser (13.2.) und der 825. Weihetag der Klosterkirche (23.5.) wurden 2011 gefeietert.

 

Bauten und Räume

 

Der Kreuzgang mit Kreuzgarten entstand im 13. und 14. Jahrhundert. Dessen Süd- und Ostflügel wurden nach der Säkularisierung abgebrochen, ohne dass dies den Gesamteindruck schwer beeinträchtigen würde. Zu den ältesten Teilen gehören der Kapitelsaal von vor 1186, der 1350 durch ein gotisches Sterngewölbe ergänzt und durch Rankenmalerei verziert wurde. Die Klosterkirche beeindruckt durch ihre enorme Länge von 76 Metern. Sie ist leicht als romanische dreischiffige Pfeilerbasilika erkennbar. Die Entfernung späterer barocker Bauteile nach 1803 führte das Langhaus wieder in die betont asketische Form der Zisterzienserarchitektur zurück. Dem Besucher fallen die erhaltenen 89 Grabplatten von Erzbischöfen, Äbten und Adligen auf.

Das Laienrefektorium – der Speisesaal – aus der Zeit um 1200, im 15. Jahrhundert in einen Weinkeller umgebaut, besticht den Betrachter durch zwölf historische Kelter, der älteste von 1668.

Das Mönchsrefektorium aus den Jahren 1720 bis 1726 ist heute der einzige barocke Raum und dient u.a. Empfängen der Landesregierung.

Im Obergeschoss bestaunt der Besucher das Mönchsdormitorium (Schlafsaal) mit einer Länge von 74 Metern – ab 1250 bis ca. 1350 gebaut. Das zweischiffige romanische Laiendormitorium, noch etwas größer, kann nur im Rahmen von Großveranstaltungen wie etwa Konzerten des Rheingau-Musik-Festivals besichtigt werden. Fläche: 600 Quadratmeter, Fassungsvermögen bis zu 600 Personen (vgl. http://kloster-eberbach.de/stiftung-kloster-eberbach/veranstaltungsraeume).

Das Museum im Anschluss an das Mönchsdormitorium informiert außer über das Kloster über die Zisterzienser im allgemeinen. In der romanischen Wärmestube ist das älteste erhaltene Glasfenster einer Zisterzienserabtei im deutschen Sprachraum (um 1180) ausgestellt.

Die frühgotische Fraternei (Brüdersaal) diente als Aufenthalts- und Arbeitsraum der Mönche. Sie war Weinkeller und „Cabinet“ zur Einlagerung besonders wertvoller Weine. Somit ist Eberbach ein Ursprungsort der Weinqualitätsbezichnung „Kabinett“.

Der Hospitalbau von 1220 bis 1230 ist Veranstaltungen vorbehalten. Bei ihm handelt es sich um das einzige erhaltene Klosterhospital aus dem Mittelalter in Deutschland.

Aus der Zeit um 1840 existiert eine Weinschatzkammer mit bedeutenden Erzeugnissen der Hessischen Staatsweingüter.

 

Fazit: Das Kloster Eberbach ist eines der bedeutendsten Monumente der Zisterzienserarchitektur in Europa. In reizvoller Landschaft nahe Wiesbaden und Mainz gelegen, ist es Schauplatz zahlreicher privater und öffentlicher Veranstaltungen.

 

Literatur:

Stiftung Kloster Eberbach: Willkommen in der ehemaligen Zisterzienserabtei Eberbach im Rheingau (Faltblatt, Eberbach 2017)