Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Historiker und Buchautor
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KLoster Schönau

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Stefan Winckler

Kloster Schönau bei Gemünden am Main

 

Zugegeben, das Kloster Schönau im Nordosten des Spessarts ist nicht das bekannteste oder berühmteste Kloster in Deutschland. Gerade weil es weniger im Gespräch ist als die Klöster mit Tagungszentren und Hotels, soll es hier vorgestellt werden.

 

Geschichte

 

Schönau liegt an der Fränkischen Saale drei Kilometer nördlich von Gemünden am Main. Die dünn besiedelte Gegend im Nordosten des Spessarts wirkt heute idyllisch und lädt geradezu zum Wandern und Entspannen ein. In früheren Zeiten war es freilich eher eine Einöde, weit abgelegen von den großen Handelswegen. 1189 gründeten der lokale Adlige Philipp von Thüngen zu Heßlar zusammen mit dem Würzburger Bischof Gottfried von Pisemberg ein Zisterzienserinnenkloster. Nonnen aus anderen Niederlassungen dieses Ordens traten ein, ebenso Töchter des in der Nähe lebenden Grafengeschlechtes derer von Rieneck. In Mitleidenschaft geriet das Kloster durch die Bauernkriege 1525 und 1527. Im Zweiten Marktgrafenkrieg plünderten Truppen des protestantischen Herzogs Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmburg im Kampf gegen die Hochstifte in Franken auch Schönau (1553). Die Äbtissin Veronika Geyer von Giebelstadt resignierte und übergab das Kloster 1564 an den Würzburger Fürstbischof. Erst 1699 kam es zu einer Neubesiedlung des Klosters durch Franziskaner-Minoriten. Der Minorit Kilian Stauffer erhielt die Ruine Schönau als Dank für seine Leistungen als Stuckmarmorierer in Fährbrück bei Hausen unweit von Würzburg. So stammt die Bausubstanz, die wir heute in der Klosterkirche Maria Immaculata vorfinden, wesentlich aus den folgenden Jahren des 18. Jahrhunderts und ist sehr leicht dem Barock zuzuordnen – abgesehen von Resten der Chorwand, die sich noch aus dem Mittelalter erhalten hatte.

Es gelang den Minoriten im Jahre 1704 sogar, Reliquien zu erwerben: die Gebeine zweier früher Christen, Victor und Antonin genannt, die aus den Katakomben Roms entnommen wurden. Sie sind an den beiden prächtigen Seitenaltären beigesetzt. An ihrem Gedenktag, dem 15./16. Juli, werden Wallfahrten nach Schönau unternommen.

Ein schwerwiegender Einschnitt war der Einmarsch französischer Truppen in den Revolutionskriegen 1796; schwere Plünderungen folgten. Die Säkularisierung ließ keine weiteren Eintritte in das nun dem Staat unterstellte Kloster mehr zu, lediglich die vorhandenen Mönche durften bleiben. Der eher traditionsorientierte König Ludwig I. von Bayern gestattete 1843 die Wiederbesiedlung. 1852 begaben sich vier deutsche Minoriten, darunter zwei Schönauer, als Seelsorger für deutsche Auswanderer nach den Vereinigten Staaten und gründeten dort die Ordensprovinz Maria Immaculata.

Bei den sehr harten Kämpfen unmittelbar vor Kriegsende 1945 schlugen amerikanische Granaten in den Klosterkirche ein, ohne jedoch große Schäden anzurichten (vgl. Stadtmüller, a.a.O.) 1975 wurden die alten Wirtschafts- und Konventgebäude abgerissen – angesichts der üblichen denkmalschützerischen Auflagen eine etwas verwunderliche Entscheidung. Ein neues Konventhaus kam stattdessen hinzu, und seit wenigen Jahren existiert auch ein Pilgerheim.

Derzeit leben vier Franziskaner-Minoriten in Schönau; Guardian (Klostervorsteher) Pater Leo Beck und die Patres. Sie betreuen die Klosterkirche, das Seniorenzentrum in Gemünden, die kleine Gemeinde Seifriedsburg und helfen in den umliegenden Pfarreien aus.

 

 

Literatur:

 

http://www.franziskaner-minoriten.de/kloester/kloster-schoenau

http://www.wallfahrt.bistum-wuerzburg.de/wallfahrtsorte/region-main-spessart/sch--nau/

Alois Stadtmüller: Maingebiet und Spessart im Zweiten Weltkrieg. Aschaffenburg 1987, S. 620

 

 

 

© Dr. Stefan Winckler