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Kreuzzug gegen Sarazenen - raubkrieg gegen das Orientalische Christentum

1., Der Dritte Kreuzzug

 

Der zweite Kreuzzug endete als Misserfolg. Im Abendland wurden Zweifel an der Idee der Kreuzzüge an sich laut. Die Könige und Fürsten waren allerdings mit den Konflikten vor der eigenen Haustür genügend beschäftigt. V.a. Friedrich Barbarossa, der mit dem lombardischen Städtebund im Süden und Heinrich dem Löwen im Norden seine Kämpfe ausfocht und außerdem mit dem Papst in heftigen Streit geriet.

Das Königreich Jerusalem bestand immerhin weiter. Dessen König Balduin IV. erkrankte an Lepra und starb 1185. Sein Nachfolger, der Neffe Balduin V. war erst sechs Jahre jung. Dessen Vormund Raimund III. war einst Geisel an einem arabischen Hof. Ohnehin alteingesessen in Palästina, war er für Frieden und gute Nachbarschaft zu den Muslimen eingestellt, und kein Freund der Templer und des Kreuzzugsgedankens. Balduin V., der Kind-König, starb 1186, Raimund 1187. Diese rasche Folge von Regentschaftswechseln weist ja schon auf eine Instabilität höchsten Grades hin. Ihm folgte der Schwager Balduins IV., Guido de Lusignan, der wenige Monate später eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste – davon später mehr.   

2005 hat der bekannte Regisseur Ridley Scott einen Spielfilm über jene Jahre gedreht, der freilich mit der wirklichen Geschichte wenig zu tun hat. Vielleicht sollte man hier auch mal einen Vortrag halten: „Warum bilden Historienfilme die tatsächliche Geschichte oft so falsch ab?“ V.a. die Templer kommen in „Königreich der Himmel“ nur als kriegslüstern und ziemlich unchristlich weg. Der angesehene Historiker Jonathan Rieley-Smith nannte das Drehbuch „Osama bin Ladens Version der Geschichte“,  der Film werde den islamischen Fundamentalisten Nahrung geben, es sei „Quatsch“ und „lächerlich“. Der Autor des Buches „Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht“, Amin Maalouf, meinte, es nütze niemandem, die Geschichte zu verdrehen. Grausamkeiten habe es auf allen Seiten gegeben. Auch der Historiker Jonathan Philipps beklagte es, dass die Templer aus muslimischer Sicht als Bösewichter porträtiert werden.

 

Was tat sich auf der Gegenseite und wie stabil war diese?

Der Heerführer Saladin, väterlicherseits übrigens ein Kurde, errang die Herrschaft zunächst in Ägypten, 1174 auch in Syrien. Nach dem Tode des Sultans Nur ed Din war er Alleinherrscher. Es versteht sich angesichts dieser Lage von selbst, dass Saladin das christliche Königreich Jerusalem zwischen diesen beiden Reichen zu erobern versuchte. Am 4. Juli 1187 siegt er in der Schlacht bei Hattin, zwischen Akko und dem See Genezareth, also im heutigen nördlichen Israel. Man spricht auch von der Hörnern von Hattin, wobei mit den Hörnern eine Hügelkette gemeint ist. Die Templer waren ebenso wie der Johanniterorden und die Truppen des Kgr. Jerusalem beteiligt. Sie alle wurden vernichtend geschlagen, die Templer zum großen Teil aufgerieben. Damit waren die Würfel gefallen, und es war dem Sultan ein leichtes, am 2. Oktober 1187 auch Jerusalem einzunehmen. Allerdings waren verschiedene Festungen im Heiligen Land in christlicher Hand geblieben, und zwar Tartus (Templer), Krak de Chevaliers u.a, im heutigen Syrien. Als Papst Urban III. davon erfuhr, verstarb er vor Schreck am 20. Oktober 1187.

Am 29. Oktober 1187 rief der neue Papst Gregor VIII. zum Dritten Kreuzzug auf.  Er führte den Verlust Jerusalems auf die Sünden des Abendlandes zurück, forderte die westlichen Staaten zur Wiedergutmachung auf und versprach allen Kreuzfahrern einen vollständigen Ablass ihrer Sünden.

Der Aufruf wurde durch eine wahre Flut von Liedern der Troubadoure (adlige Sänger) zum Kreuzzug verstärkt. Bereits im November 1187 nahm Richard Löwenherz das Kreuz. Richard gilt auf den ersten Blick als Vorzeige-Engländer des Mittelalters, in Wirklichkeit wuchs er in Aquitanien auf und französisch war seine Muttersprache. Denn seine Mutter war Eleonore von Aquitanien, sein Vater Heinrich II. von England. Diese Bindung an Frankreich als geographischen Begriff ließ ihn für König Philipp August von Frankreich gefährlich werden, zumal Richard zunächst Herzog von Aquitanien war. Auch Philipp August erklärte sich zum Kreuzzug bereit. Das war im Sinne Richards, der ansonsten einen Angriff Philipp Augusts befürchtete. Umgekehrt wollte Philipp August nur ziehen, wenn Richard abwesend und damit für ihn ungefährlich wäre. Im Juni 1190 vereinbarten beide, gleichzeitig aufzubrechen. Inzwischen war Richard seinem Vater auf den englischen Thron gefolgt.

Friedrich Barbarossa erklärte am 27. März 1188 in Mainz, den Kreuzzug anzutreten. Er entschied sich für den Weg zu Lande, während Philipp August und Richard Löwenherz, freilich getrennt voneinander den Seeweg wählten. Daneben war König Wilhelm II. von Sizilien beteiligt, der 500 Ritter und 50 Galeeren mobilisierte (vgl. Jonathan Philipps, S. ).

Friedrich Barbarossa, der um die 67, wenn nicht 64 Jahre alt war, gehörte der Generation vor Richard und Philipp August an. Er war außerdem kreuzzugserfahren, nachdem er schon am zweiten Zug 1149-52 mitgewirkt hatte. Sein Heer dürfte mit rund 30.000 Mann das grösste gewesen sein. Er startete am 11. Mai 1189 in Regensburg, und der Marsch ging zunächst entlang der Donau. Dass er den Weg durch das byzantinische Reich wählte, erscheint merkwürdig, denn das Oströmische Reich stand dem Westen misstrauisch bis feindlich gegenüber. Trotz vertraglicher Vereinbarungen über einen geordneten Durchmarsch verweigerte Kaiser Isaak die Hilfe und , aus denen die Kreuzritter einigermaßen gut herauskamen. Nicht zuletzt führte der Weg durch das trockene Gebiet Kleinasiens. Das Ende Friedrich Barbarossas ist bekannt: er ertrank am 10. Juni 1190 in einem Fluss, der seinerzeit Saleph genannt wurde und so in die Geschichte einging. Heute trägt er die Bezeichnung Göksu. Ironischerweise befand sich Friedrich dabei nicht mehr auf feindlichem Territorium, sondern im christlichen Königreich Armenien, das ihm freundlich gesinnt war. Ein Teil seiner Truppen verlor jegliche Hoffnung und kehrte um, andere zogen weiter. Der Versuch, seine Leiche nach Jerusalem zu bringen und dort zu bestatten, scheiterte am natürlichen Vorgang der Verwesung. Friedrichs Überreste sollen in der Kathedrale zu Tyros im heutigen Libanon bestattet worden sein.

Richards Flotte startete in Genua und überwinterte auf Sizilien. In einem Seesturm wurden Teile der Flotte Richtung Zypern abgetrieben, darunter auch das Schiff mit Richards Verlobter und ein anderes mit dem größeren Teil der Kriegskasse, die eine Beute des dortigen Herrschers Isaak Komnenos wurde.  Da Isaak niemanden und nichts herausgeben wollte, sah sich Richard zum Kampf gezwungen und besiegte den Zyprioten, dessen Staatsschatz er ebenfalls an sich nahm. 

Getrennt trafen Philipp August und Richard vor der Festung Akkon ein, die wenige Jahre zuvor in muslimische Hände gefallen war und nun sei fast zwei Jahren von dem Christen Guido de Lusignan belagert wurde. Das Mitwirken der französischen, englischen und wenigen deutschen Truppen verbesserte die Situation zugunsten der Christen deutlich, so dass Saladin die Stadt aufgeben musste.

Nun marschierten die Kreuzfahrer nach Süden, parallel zur Küste, ständig attackiert von kleinen muslimischen Einheiten und unter der Hitze leidend. Bei Arsuf gewannen die Kreuzfahrer am 7. September 1191 erstmals seit den „Hörnern von Hattin“ eine Schlacht. Drei Tage später konnte Jaffa besetzt werden. Richard verzichtete anschließend darauf, die Eroberung Jerusalems anzugehen, weil Saladins Heer zu stark erschien und auch, bei einem Erfolg, die Heilige Stadt kaum gehalten werden konnte. Viele seiner Soldaten sahen das anders. Richard wandte sich der Stadt Askalon zu, die er besetzen konnte.

Im Vertrag von Ramla, 2. September 1192, einigten sich Richard und Saladin auf eine Bestätigung des status quo. Richards Eroberungen an der Küste mit Ausnahme von Askalon behielten weiterhin die Kreuzfahrer, während Jerusalem in Saladins Herrschaft blieb. Damit war der Zugang zur Küste für die Pilger gesichert, während Jerusalem als Prestigeobjekt weiterhin sarazenisch-muslimisch war. Beide einigten sich auf einen dreijährigen Waffenstillstand, Richard kehrte in den Westen zurück.  Philipp August kehrte bereits im Sommer 1191, nach der Schlacht um Akko, nach Europa zurück.

 

War der Dritte Kreuzzug also erfolgreich? Teilweise. Jerusalem konnte nicht eingenommen werden, aber ein Küstenstreifen blieb als Kreuzfahrerstaat unter christlicher Herrschaft.  

 

 

 

2., Der Vierte Kreuzzug

 

Der vierte Kreuzzug hebt sich sehr stark von allen anderen Kreuzzügen ab. Sein Ziel war nicht die Eroberung Jerusalems oder eines anderen muslimischen Territoriums, sondern eine ganz und gar christliche Stadt: Konstantinopel. Doch ursprünglich war alles anders geplant.

Kaiser Heinrich VI., Friedrich Barbarossas Sohn, begann im Mai 1197 die Vorbereitungen. Der Kreuzzug sollte in Messina beginnen, denn Heinrich war zugleich König von Sizilien und hielt sich dort auf. Sein Tod durchkreuzte im Juli 1197 das Vorhaben. Die Idee blieb allerdings bestehen, und 1198 rief der neue Papst Innozenz III. zu einem Kreuzzug auf.

Alles begann damit, dass Ägypten angegriffen werden sollte – ein Knotenpunkt des Islams. Dann, so meinten die Kreuzfahrer, ließe sich auch Jerusalem viel leichter erobern. Der Transport sollte über das Meer erfolgen. Ausgangspunkt sollte die Republik Venedig sein. Da die Kreuzfahrer die Überfahrt nicht zahlen konnten, ließen sie sich von Venedig dazu drängen, die dalmatinische Stadt Zara (heute: Zadar) einzunehmen und dann fahren zu dürfen. Zara war eine katholische, keine griechisch-orthodoxe Stadt, die zuvor Venedig und dann Ungarn gehörte. So kämpften hier erstmals Kreuzritter gegen Menschen der gleichen Konfession, gegen Angehörige des römischen, lateinischen Christentums. Der Papst verurteilte diesen Kriegsakt und exkommunizierte die Kreuzfahrer. Deren Heer überwinterte 1202/03 auf Korfu. Währenddessen eskalierten Thronstreitigkeiten in Konstantinopel. Prinz Alexios Angelos  bat die Kreuzfahrer, seinem Vater und ihm bei der Rückkehr zur Herrschaft zu helfen. Denn sie waren von Alexios III., dem Onkel des Alexios Angelos, gestürzt worden. Die Zusage der Kreuzfahrer wurde wesentlich durch das Versprechen Alexios Angelos erleichtert, ihnen Truppen für den Kreuzzug gegen die Muslime und einen hohen Betrag an Silbergeld zur Verfügung zu stellen. So dachten die Kreuzfahrer, sie wären auch aus der Abhängigkeit von Venedig gelöst. Tatsächlich gelang es ihnen, die Stadt zu belagern, nachdem Alexios III aufgegeben hatte. Eigentlich war aber die militärische Lage nicht so aussichtslos für Alexios III. gewesen. Kaiser wurde Alexios Angelos zusammen mit seinem Vater. Beide konnten aber nicht die Kreuzfahrer bezahlen, so dass diese in der Stadt blieben. Derweil wurden Alexios Angelos und sein Vater Isaac ermordet, und mit Alexios V. betrat ein neuer Kaiser die Szenerie. Er forderte die Kreuzfahrer zum unverzüglichen Verlassen des Reiches auf. Das kam für die Kreuzfahrer angesichts ihrer Ausrüstungsprobleme nicht in Frage. Nachdem sich die Kreuzfahrer intern mit Venedig über die Aufteilung der Beute im Klaren waren, eroberten sie die Stadt und plünderten sie. Sie verhafteten Alexios V. und richteten ihn hin, als Strafe für die Ermordung Alexios IV. Einwohner wurden misshandelt und getötet, Kunstschätze zerstört oder nach Venedig verschleppt. Die Kreuzfahrer riefen das Lateinische Kaiserreich aus. Jene Perversion eines Kreuzfahrerstaates konnte keinen Rückhalt in der Bevölkerung der Stadt finden. Die Kultur lag am Boden. Schließlich gelang die griechische Rückeroberung im Jahre 1261, doch die Macht des byzantinischen Reiches war dahin, es schrumpfe immer mehr und unterlag 1453 den Türken. V.a. war mit der Eroberung und Plünderung Konstantinopels durch lateinische Christen der Gegensatz zwischen westlicher und östlicher Kirche für die folgenden Jahrhunderte unüberbrückbar groß, obwohl der Papst diesen barbarischen Akt von 1204 unmissverständlich abgelehnt hatte. Erst vor 1964 begannen sich die römisch-katholische und die griechisch-orthodoxe Kirche wieder einander anzunähern, als sich Papst Paul VI. und der Patriarch von Konstantiniopel, Athenagoras, in Jerusalem begegneten.

Die Wirkung des sog. vierten Kreuzugs ist leicht zu erkennen: das griechisch-orthodoxe, oströmische Kaiserreich wurde zerschlagen, das orientalische Christentum nachhaltig geschwächt, der Gegensatz zwischen lateinischem und griechischem Christentum wuchs ins Unüberwindbare.  

 

© Dr. Stefan Winckler