Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Buchvorstellung meiner Promotionsarbeit von 2010/11

 

 

Am Anfang von Gerhard Löwenthals politischer Entwicklung stand die doppelte Erfahrung des Totalitarismus: nach dem persönlichen Erleiden des Nationalsozialismus mit seinen Demütigungen, der Diskriminierung aus sog. „rassischen“ Gründen und v.a. der über Jahre anhaltenden Gefahr, deportiert oder gar ermordet zu werden, und nachfolgend wegen der immer totalitärer werdenden Politik der UdSSR und der SED in Berlin fühlte sich Löwenthal berufen, gezielt für den demokratischen Verfassungsstaat einzutreten, diesen gegen seine Gegner zu verteidigen und für ihn zu werben. Die unerwartet gute politische und wirtschaftlich-soziale Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 erleichterte Löwenthal diese Aufgabe. Damit befand er sich, und zwar so lange er lebte, im Rahmen des antiextremistischen Konsenses, der kennzeichnend für die 1950er und 1960er Jahre war und seit etwa 1968 an Relevanz innerhalb von Politik und Wissenschaft verlor. Dass die Demokratie gerade auch von ihren Bürgern verteidigt werden müsse, brachte er bereits in seinem Abituraufsatz von 1946 zum Ausdruck. In der Tat erstaunlich früh! Nach einer verhältnismäßig kurzen „Lehrzeit“ gab er zu Beginn des Kalten Krieges die Berufsrolle des um Neutralität bemühten Berichterstatters zu einem erheblichen Teil auf und wandelte sich zu einem bewusst parteiischen (aber nicht parteigebundenen) Journalisten. Jetzt zählte für ihn der Einsatz für ein freies, demokratisches Berlin und für diejenigen, die in der Sowjetischen Besatzungszone und dem Ostteil Berlins keine bürgerlichen Rechte wahrnehmen konnten. Es ließe sich allerdings fragen, warum Löwenthal nicht schon im ersten Nachkriegsjahr die Nachteile sowjetischer Herrschaft wahrnahm (Plünderungen und Vergewaltigungen im April/Juni 1945, Beschlagnahmungen, willkürliche Verhaftungen). In der Bundesrepublik Deutschland fand Löwenthal die Freiheit als seinen wichtigsten Wert in befriedigendem Maße verwirklicht, er nahm den Staat als Rechtsstaat wahr und verteidigte ihn als Journalist insbesondere gegen den Terrorismus einschließlich der Sympathisanten in den 1970er Jahren, wobei der den Terrorismus als „abgeleitete Funktion“ (um es im Mathematikerdeutsch zu sagen) des Marxismus-Leninismus ansah.      

 

Stefan Winckler: Gerhard Löwenthal. Ein Beitrag zur politischen Publizistik der Bundesrepublik Deutschland. Berlin: Bebra Wissenschaft Verlag, 2011; 408 S., geb.; ISBN 978-3-937233-85-7; € 46,00.  

 

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Blick ins Buch:

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© Dr. Stefan Winckler