Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Historiker und Buchautor
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Über 60 jahre im Einsatz für Israels Sicherheit

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Stefan Winckler

Shimon Peres zum Gedenken

 

Er war zu Lebzeiten Legende, er genoss Ruhm weit über sein flächenmäßig kleines Land hinaus. Shimon Peres, geboren am 2.8.1923 in Wischnewa (damals Polen, heute Weißrussland) war zusammen mit Jitzak Rabin, Ezer Weizman und Mosche Dayan der herausragende Mann der mittleren Generation israelischer Politiker.

Peres kam 1934 mit den Eltern nach Palästina; die Shoah raubte ihm sämtliche Familienmitglieder, die in Europa zurückgeblieben waren. Im Mandatsgebiet wurde Peres im Kibbuz erwachsen, er wirkte in der Gewerkschaftsjugend und in der Mapai, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Gefördert von Ben Gurion, galten seine frühen Jahren dem Aufbau Israels, insbesondere seiner Streitkräfte. Als Generaldirektor im Verteidigungsministerium nach 1953 zeichnete er sich durch seine Fähigkeit aus, im westlichen Ausland Waffen zu beschaffen. Zur Erinnerung: Der Kriegszustand mit der arabischen Welt dauerte an, Kampfhandlungen wechselten mit ruhigen Phasen, die Bedrohung war permanent. Eine schwierige Aufgabe, da Israel bei weitem noch nicht über das Renommee verfügte, das es seit dem siegreichen Sechstagekrieg von 1967 genießt. Es war Peres, der mit Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß 1957 ein höchst geheimes Abkommen über Waffenlieferungen schloss, das als Anfang einer deutsch-israelischen Kooperation in Verteidigungsfragen gelten kann. In Frankreich gelang es ihm, Nukleartechnik für sein Land zu erwerben, und so das israelische Atomwaffenprogramm zu starten. Auch in den folgenden Jahrzehnten war Shimon Peres ein maßgeblicher Militärpolitiker (Verteidigungsminister 1974-77). Die Wahlen 1977 und 1981 verlor er gegen Menachem Begin, der weit stärker als der eher sachliche Peres Emotionen entfachen konnte. Nicht nur im Vergleich zu Begin erschien Peres als Mann des Ausgleichs. Als dessen Nachfolger 1984ff. zog er die israelischen Truppen aus dem Libanon zurück, er setzte frühzeitig auf direkte Gespräche mit der PLO, da er nur in einer politischen Vertragslösung eine Chance für den Frieden im Nahen Osten sah. Im Grundsatz - Friedensgespräche mit den Arabern - stimmte er mit den ehemaligen Offizieren Ezer Weizmann und Mosche Dayan überein, die in ihren Ministerämtern den immer starrer werdenden, teilweise verfahrenen Kurs Begins ablehnten und dessen Regierung verließen. 

Als Außenminister (1992-95) in der Regierung Rabin gehörte er zu den Hauptverantwortlichen des Friedensprozesses, der in den Abkommen mit den Palästinensern und im Friedensvertrag mit Jordanien seine völkerrechtliche Fixierung fand. Früher als andere befürwortete er direkte Gespräche mit der PLO, die bislang – nicht nur in Israel – als Terrororganisation galt. Seine Vision einer nahöstlichen Wirtschaftsgemeinschaft sollte freilich Utopie bleiben. Peres' Bemühungen wurden mit dem Friedensnobelpreis (zusammen mit Rabin und Arafat) 1994 belohnt.

Dass Peres keine reine „Taube“ war, sondern nach wie vor für die Wehrhaftigkeit seines Landes stand, beweist sein Feldzug gegen die Hisbollah unter dem Namen „Früchte des Zorns“ 1996 – eine Reaktion auf Raketenangriffe gegen Nordisrael. Sehr knapp verlor er kurz darauf die Wahlen gegen Benjamin Netanjahu, da er offenbar die Unterstützung der israelischen Araber wegen jener militärischen Aktion im Südlibanon verloren hatte. Zwar verfehlte Peres die Wahl zum israelischen Staatspräsidenten durch die Knesset, kehrte aber 2001/02 abermals auf den Posten des Außenministers zurück und übernahm 2007 im zweiten Anlauf das höchste Staatsamt für sieben Jahre. Als Staatspräsident hielt Peres am Auschwitz-Gedenktag 2010 eine tief bewegende Ansprache im Deutschen Bundestag, die als eine Sternstunde gelten darf. 

Bis zuletzt voller Optimismus und Tatendrang, erlitt Shimon Peres Mitte September einen schweren Schlaganfall. An dessen Folgen verstarb er zwei Wochen später am 28.9.2016. Regierungschef Benjamin Nethanjahu, gewissermaßen sein politischer Gegenpol in der israelischen Politik, würdigte ihn mit den Worten „Er widmete sein Leben unserer Nation und der Suche nach dem Frieden“. Seine Beerdigung dürfte zu einem Gipfeltreffen zahlreicher sehr unterschiedlicher Staatsmänner werden, was wiederum friedens- oder zumindest vertrauensfördernd sein dürfte.

 

Der Verfasser nahm an einer staatsbürgerlichen Studien- und Begegnungsreise in Zusammenarbeit mit dem Bundesverteidigungsministerium und der israelischen Botschaft nach Israel teil, wo er unter anderem mit israelischen Experten sprach und ein Ausbildungslager für Soldatinnen besuchte. 

 

© Dr. Stefan Winckler