Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Historiker und Buchautor
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Politische Gedanken von der Spätantike bis ins 21. Jahrhundert

Diese Sammlung vereint Aussagen unterschiedlichster Personen aus verschiedenen Epochen zu Fragen des Friedens, der Freiheit und der politischen Ordnung sowie gegen totalitäre Ideologie und Praxis. Es kam darauf an, Zitate zu finden, die für Weitblick stehen, für christliche Werte und Tugenden, für humanistisches Denken und realitätsnahe Einschätzungen.

 

 

 

Nachdem wir, sowohl ich Konstantinus Augustus, als auch ich Licinius Augustus glücklich zu Mailand uns eingefunden hatten und alle Angelegenheiten der öffentlichen Wohlfahrt und Sicherheit in Beratung nahmen, so glaubten wir unter den übrigen Anordnungen, von denen wir uns Nutzen für die Gesamtheit versprachen, vor allem die Dinge ordnen zu müssen, auf denen die Verehrung der Gottheit beruht, und zwar in der Art, daß wir sowohl den Christen wie auch allen übrigen freie Befugnis gewährten, der Religion sich anzuschließen, die jeder sich wählen würde, auf daß alles, was von göttlicher Wesenheit auf himmlischem Sitze thront, uns und allen, die unter unserer Herrschaft stehen, gnädig und gewogen sein möge.

 

Laktanz: Von den Todesarten der Verfolger (De mortibus persecutorum). In: Des Lucius Caelius Firmianus Lactantius Schriften. Aus dem Lateinischen übersetzt von Aloys Hartl. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 36) München 1919, S. 57f.

Inhalt: Konstantin, Kaiser der westlichen Reichshälfte und Licinius, Kaiser der östlichen Reichshälfte, vereinbaren, allen Römern und gerade auch den bisher verfolgten Christen Religionsfreiheit zu gewähren. Weiter heißt es: Den Christen werden die enteigneten sakralen Stätten zurückerstattet. Die Vereinbarung ist u.a. überliefert in der o.g. Schrift des Kirchenlehrers Lactantius, der nach 317 starb.

Es sei auch auf eine Übersetzung der gleichen Vereinbarung Konstantins und Licinius' aus dem Griechischen hingewiesen: Eusebius, Ausgewählte Schriften Band II: Kirchengeschichte. Aus dem Griechischen übersetzt von Philipp Häuser. (Bibliothek der Kirchenväter, 2. Reihe, Band 1) München 1932, S. 461f.

 

 

 

Omni quippe regno desiderabilis debet esse tranquillitas, in qua et populi proficiunt, et utilitas gentium custoditur. Haec est enim bonarum artium decora mater. Haec mortalium genus reparabili successione multiplicans, facultates protendit, mores excalit. Et tantarum rerum ignarus agnoscitur, qui eam nomine quesisse sentibur.

 

Das Ziel jedes Reiches muß der Frieden sein, in welchem die Völker gedeihen und der Nutzen der Nationen gewahrt wird. Denn der Frieden ist die würdige Mutter aller schönen Künste. Er vermehrt das Menschengeschlecht durch wiederholte Zeugung und erweitert dadurch die Fähigkeiten, er veredelt die Sitten. 

 

Cassiodor: Variae, erster Brief. Entstanden ca. 538. Zitiert nach:

www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost14/Marsilius/mar_d101.html

 

 

 

Idem augustus. 

Salubritatem aeris divino iudicio reservatam studio provisionis nostre, in quantum possumus, disponimus conservare mandantes, ut nulli amodo liceat in aquis cuiuslibet civitatis vel castri vicinis, quantum miliare ad minus protenditur, linum vel cannabem ad maturandum ponere, ne ex eo, prout pro certodidicimus, aeris dispositio corrumpatur.

 

Wir sind bestrebt, die Uns durch Gott geschaffene Gesundheit der Luft, soweit dies möglich, rein zu erhalten und verfügen deshalb, daß es niemand gestattet ist, in Gewässern, die weniger als eine Meile von einer Siedlung entfernt liegen, Flachs und Hanf zu wässern, weil dadurch die Beschaffenheit der Luft ungünstig beeinflußt wird.

 

Friedrich II: Konstitutionen von Melfi. Bd. II, Liber III, Tit. 48. Deutsche Übersetzung nach: Conrad/V.d.Lieck-Beuyken/Wagner: Die Konstitutionen von Melfi Friedrichs II. von Hohenstaufen für sein Königreich Sizilien, Bd. II, Köln 1973, S. 308. Dieses Naturschutzgesetz stammt vom September 1231 (!)

 

 

 

Bedenkt doch Euren Ursprung, denkt Ihr seid

Nicht wie das Vieh! Und nie dürft ihr erkalten

Bei dem Erwerb von Kenntnis, Tüchtigkeit!

 

Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie, Hölle, XXVI. Gesang. Mannheim 2012, S. 118

 

 

 

(…) Ihr nun, gleich Hauptleuten der streitenden Kirche vorgesetzt, unbekümmert den Wagen der Braut auf der offenbaren Spur des Gekreuzigten zu leiten, seid gleich jenem falschen Wagenlenker Phaeton aus dem Geleise gewichen und habt, wiewohl es Euch zukam, der nachfolgenden Herde die Wildnisse dieser Pilgrimschaft zu lichten, sie selbst zugleich mit Euch in den Abgrund gerissen. (…)

 

Dante Alighieri: An die italienischen Kardinäle (1314). In: Albert Ritter (Hrsg.): Dantes Werke. Der unbekannte Dante (Die unbekannten Meister und Werke der Weltliteratur, Bd. 1). Berlin 1922, S. 228-232, hier S. 229.

1309 war Avignon anstelle von Rom zum Papstsitz geworden, das Kirchenoberhaupt selbst geriet unter den Einfluss des französischen Königs. Ein Verlust für Italien. 1314 starb Clemens, und es war ein neuer Papst zu wählen, so dass Dante diesen mahnenden, vorwurfsvollen, ja verzweifelten Brief schrieb, wonach die Kardinäle Christus gegenüber untreu geworden wären. Im weiteren Text zieht er den Vergleich mit den Händlern im Tempel zu Jerusalem, und deutet damit das massive Ansammeln von materiellen Gütern (zumindest aber eine Verweltlichung anstelle geistlicher Werte) durch die Avignoner Päpste an, jedenfalls aber eine Pervertierung der Tradition. 

 

 

Et humanum genus potissime liberum optime se habet. Hoc erit manifestum, si principium pateat libertatis. Propter quod sciendum quod principium primum nostre libertatis est libertas arbitrii, qua, multi habent in ore, in intellectu vero pauci.

 

Und das menschliche Geschlcht findet sein Glück zumal in der Freiheit. Dies wird durch den Urgrund der Freiheit klar werden. Man muß nämlich wissen, daß der Quell und Grund unsrer Freiheit in der Wahlfreiheit besteht, welche viele im Munde, wenige aber im Verständnis haben.

 

Dante: De Monarchia – Über die Monarchie. I. Buch, 12. Kapitel. In: http://www.italica.it/dante/monarchia.html.    Übersetzung: Dante: Über die Monarchie, 1. Buch. In: Albert Ritter (Hrsg.): Dantes Werke. Der unbekannte Dante (Die unbekannten Meister und Werke der Weltliteratur, Bd. 1). Berlin 1922, S.190-211, hier S. 203.

 

 

 

 

Modus autem conveniendi ad institucionem seu eleccionem predictam variatur fortasse secundum provinciarum varietatem. Verum qualiter cumque diversetur, hoc in quolibet observandum, ut talis eleccio seu institucio simper fiat auctoritate legislatoris, quam civium universitatem aut eius valenciorem partem persepe diximus.

 

Aber bei allem Abweichungen im einzelnen ist in jedem Fall zu beachten, daß eine solche Wahl oder Einsetzung [des Regenten] immer der Gesetzgeber vollzieht, als den wir die Gesamtheit der Bürger oder deren Mehrzahl sehr oft bezeichnet haben.

 

Marsilius von Padua: Defensor Pacis, I. Buch, Kap. XV. Entstanden 1324 und König Ludwig dem Bayern gewidmet. Hier zitiert nach der Ausgabe Berlin (Ost) 1958, Bd. 1, S. 156-158

 

 

 

Die Fürsten werden das Kaisertum zerstören; dann wird die Demokratie über sie kommen und sie  vernichten.

 

Karl V., ca. 1555, zitiert nach: Richard Reifenscheid: Kaiser Karl V. In: Gerhard Hartmann / Karl Schnith (Hrsg.): Die Kaiser. 1200 Jahre europäische Geschichte, Wiesbaden 2006, S. 493-509, dort S. 501

 

 

 

Si j'avais la fatalité d'être pris prisonnier par l'ennemi, je défends qu'on ait le moindre égard pour ma personne, ni qu'on fasse la moindre réflexion sur ce que je pourrais écrire de ma détention. Si pareil malheur m'arrivait, je veux me sacrifier pour l'État (…).

 

Wenn mich das Schicksal treffen sollte, in Kriegsgefangenschaft zu geraten, verbiete ich, das man die geringste Rücksicht auf meine Person nimmt oder die geringste Beachtung dem widmet, was ich aus meiner Gefangenschaft schreiben könnte. Wenn mich ein solches Unglück trifft, opfere ich mich für den Staat (...). 

 

Friedrich der Große an seinen Staatsminister Graf Finck von Finckenstein am 10.1.1757. In dieser Situation solle die Regentschaft an seinen Bruder übergehen, heißt es weiter, und weder eine Provinz noch ein Lösegeld solle für seine Freilassung in Aussicht gestellt werden.  Der Text macht um so mehr seit den späten 1960er Jahren nachdenklich, in der terroristische Geiselnahme (auch von politischer Prominenz) Druck auf Staaten auszuüben versuchte - man denke nur an Schleyer in Deutschland und Moro in Italien (die von ihren Entführern zu Erklärungen an die Öffentlichkeit gezwungen wurden). Original in französischer Sprache: http://friedrich.uni-trier.de/de/politKorr/14/198/text/ 

 

 

 

§ 83

Die allgemeinen Rechte des Menschen gründen sich auf die natürliche Freyheit,

sein eignes Wohl, ohne Kränkung der Rechte eines Andern, suchen und

befördern zu können.

 

Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794.

Online u.a. unter: www.koeblergerhard.de/Fontes/ALR1fuerdiepreussischenStaaten1794teil1.htm

 

 

 

Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 

 

Art 2. der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26.8.1789, zitiert nach: http://www.verfassungen.eu/f/ferklaerung89.htm.  Mit „politische Vereinigung“ ist der Staat gemeint.

 

 

 

Nun wohnen Wahrhaftigkeit und Politik selten unter einem Dach, und wo zu demagogischem Zweck eine Gestalt gezeichnet werden soll, ist von den gefälligen Handlangern der öffentlichen Meinung wenig Gerechtigkeit zu erwarten.

 

Stefan Zweig: Marie Antoinette. Leipzig 1932, Einleitung.  Zitiert nach: http://gutenberg.spiegel.de/buch/marie-antoinette-6856/1. Wie sehr lässt dieser Satz doch an das 20. und 21. Jahrhundert denken, beispielsweise, wenn es um die publizistische Mobilmachung zugunsten einer imperialistischen Politik geht! 

 

 

 

Von allen Sprüngen seiner Charakterakrobatik war dies der verwegendste, aber er wird auch der letzte auf dem politischen Seile sein.

 

Stefan Zweig über den direkten Wechsel des napoleonischen Polizeiministers Joseph Fouché in die Dienste von König Ludwig XVIII. Vgl. Stefan Zweig: Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen. Leipzig 1927. Zitiert nach: http://gutenberg.spiegel.de/buch/joseph-fouche-6859/1

 

 

 

Das Wort Freiheit hat für mich nicht den Werth eines Ausgangs-, sondern eines thatsächlichenAnkunftspunktes. Den Ausgangspunkt bezeichnet das Wort "Ordnung". Nur auf dem Begriff von "Ordnung" kann jener der "Freiheit" beruhen. Ohne die Grundlage der "Ordnung" ist der Ruf nach "Freiheit" nichts weiter als das Streben irgend einer Partei nach einem ihr vorschwebenden Zweck. In seiner thatsächlichen Anwendung wird der Ruf sich unvermeidlich als Tyrannei aussprechen. Indem ich zu allen Zeiten, in allen Lagen ein Mann der "Ordnung" gewesen bin, war mein Streben der wahren und nicht einer trügerischen "Freiheit" zugewendet. "Tyrannei" jeder Art hat in meinen Augen nur den Werth baren Unsinns. Als Mittel zum Zweck bezeichne ich sie als das Schalste, was Zeit und Umstände Machthabern zu Gebote zu stellen vermögen. 

 

Klemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich, Mein politisches Testament, zitiert in:  ders.: Ordnung und Gleichgewicht, hrsg. von Jean-Jacques Langendorf, Wien 1995, S. 74

 

 

Die öffentliche Meinung ist das wichtigste Mittel, ein Mittel, das wie die Religion in die verborgendsten Tiefen dringt, wo administrative Maßregeln keinen Einfluß mehr haben. Die öffentliche Meinung verachten, ist so gefährlich, als ob man die moralischen Grundsätze verachtet; während aber letztere selbst dort, wo  man sie ausrotten wollte, wieder erstehen können, ist es mit der öffentlichen Meinung nicht so bestellt; diese erfordert eine besondere Beachtung, konsequente und ausdauernde Pflege…

 

Klemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich, zitiert nach Hagen Schulze: Staat und Nation in der europäischen Geschichte. München 2004, S. 196 

 

 

 

In ihren Beziehungen zu Ausländern zeigen sich die Amerikaner sehr empfindlich gegenüber dem geringsten Tadel und unersättlich für Lobsprüche. Das dürftigste Lob ist ihnen willkommen, und das größte genügt selten, um sie zu befriedigen; sie setzen uns beständig zu, um von uns gelobt zu werden; und widersteht man ihrem Drängen, so rühmen sie sich selbst. Es ist, als wollten sie sich, ihrer Vorzüge selber nicht sicher, deren Bild jederzeit vor Augen halten (…)

 

Alexis de Tocqueville: Über die Demokratie in Amerika, Bd. II, Zürich 1987 (zuerst 1840), S. 331

 

 

 

Meine Herren, gestatten Sie mir Ihnen zu sagen, daß Sie sich meiner Ansicht nach täuschen. Die Unordnung liegt ohne Zweifel nicht in den Tatsachen, aber sie ist tief in die Gemüter eingedrungen. Bedenken Sie nur, was in der Seele der Arbeiterklasse vor sich geht, die heute, ich gebe es zu, noch ruhig ist! Zwar wird sie jetzt nicht in demselben Grade von politischen Leidenschaften im eigentlichen Sinne des Wortes aufgewühlt wie früher; aber sehen Sie nicht, daß ihre politischen Leidenschaften sich in soziale gewandelt haben? Sehen Sie nicht, daß sich in der Arbeiterklasse allmählich Auffassungen und Ideen verbreiten, die nicht nur einzelne Gesetze, Ministerien oder vielleicht Regierungen beseitigen, sondern die heutigen Grundlagen der Gesellschaftsordnung selbst erschüttern und umstürzen werden? Dringt denn nicht an Ihr Ohr, was tagtäglich in Arbeiterkreisen wiederholt wird, nämlich daß alle gehobenen Schichten der Gesellschaft zur Regierung unfähig und unwürdig sind, daß die bisherige Verteilung der Güter in der Welt ungerecht ist und daß das Eigentum auf unbilligen Grundlagen  beruht? Und glauben Sie nicht, daß, wenn solche Meinungen Wurzel fassen, sich fast überall verbreiten und tief in die Massen eindringen, sie früher oder später, ich weiß nicht wann, zu den furchtbarsten Revolutionen führen müssen?

 

Tocqueville, 29.1.1848, in der französischen Deputiertenkammer, wiedergegeben in: Alexis de Tocqueville: Erinnerungen. Stuttgart 1954, S. 51f. Ders. S. 54:  "Meine düstersten Voraussagen wurden von der Mehrheit mit beleidigendem Gelächter aufgenommen. Die Opposition [deren gemäßigtem Teil er angehörte] spendete lebhaft Beifall, aber mehr aus Parteigeist als aus Überzeugung".

 

 

 

Zum Schlusse, meine Herren, verwerfen Sie die Erblichkeit, schaffen Sie keinen herrschenden Einzelstaat, stoßen Sie Österreich nicht ab, retten Sie das Wahlrecht, dieses kostbare Volksrecht, dieses letzte fortwährende Wahrzeichen des volksmäßigen Ursprungs der neuen Gewalt. Glauben Sie, es wird kein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen Öles gesalbt ist.

 

Ludwig Uhland: Gegen die Wahl eines Erbkaisers. Rede in der Frankfurter Paulskirche 1849. In: N.N. (Hrsg.): Reden, die die Welt bewegten. Stuttgart 1986, S. 86-91, hier S. 91

 

 

 

 

Nel nome santo di Dio, nel nome del celeste nostro Padre e Signore, per il Sangue benedetto di Gesù, prezzo dell’umano riscatto, scongiuriamo Voi, che la Divina Provvidenza ha posto al governo delle Nazioni belligeranti, a porre termine finalmente a questa orrenda carneficina, che ormai da un anno disonora l’Europa. È sangue fraterno quello che si versa sulla terra e sui mari! Le più belle regioni dell’Europa, di questo giardino del mondo, sono seminate di cadaveri e di ruine: dove poc’anzi fervevano l’industre opera delle officine ed il fecondo lavoro dei campi, ora tuona spaventoso il cannone e nella sua furia demolitrice non risparmia villaggi, né città, ma semina dovunque e strage e morte. Voi portate innanzi a Dio ed innanzi agli uomini la tremenda responsabilità della pace e della guerra; ascoltate la Nostra preghiera, la paterna voce del Vicario dell’Eterno e Supremo Giudice, al Quale dovrete render conto così delle pubbliche imprese, come dei privati atti vostri.

 

(...) Im Namen des allmächtigen Gottes, im Namen unseres himmlischen Vaters und Herrn, bei Jesu Christi beneteitem Blute, dem Preis der Menschheitserlösung, beschwören wir euch, euch von der göttlichen Vorsehung an die Spitze der kriegsführenden Völker Gestellte, endlich dieser grauenhaften Schlächterei ein Ende zu setzen, die nun schon ein Jahr Europa entehrt. Bruderblut tränkt das Land und färbt das Meer. Die schönsten Landstriche Europas, des Gartens der Welt, sind besät mit Leichen und Trümmern; da wo kurz zuvor noch zuvor noch rege Tätigkeit der Fabriken und fruchtbare Feldarbeit herrschten, hört man jetzt den schrecklichen Donner der Geschütze, die in ihrer Zerstörungswut weder Dörfer noch Städte verschonen, sondern überall Gemetzel und Tod säen. Ihr, die ihr vor Gott und den Menschen die furchtbare Verantwortung für Krieg und Frieden tragt, erhört unser Gebet, hört auf die väterliche Stimme des Stellvertreters des ewigen und höchsten Richters, dem auch ihr über euer öffentliches und privates Tun Rechenschaft ablegen müßt (...)

 

Friedensappell Papst Benedikts XV. am 28.7.1915, http://w2.vatican.va/content/benedict-xv/it/apost_exhortations/documents/hf_ben-xv_exh_19150728_fummo-chiamati.htm

deutsche Übersetzung abgedruckt in der "Weltbühne" 4.8.1931, wiedergegeben in: https://de.wikisource.org/wiki/Der_Krieg_ist_eine_grauenhafte_Schl%C3%A4chterei!

 

 

 

Gegenstand dieses Buches (…) ist das Versinken der Einzelseele im Abgrund der Massenseele. Und dies ist für mein Empfinden ein für die Zukunft der Menschheit viel entscheidenderes Phänomen als die vorübergehende Oberherrschaft der einen oder der anderen Nation.

Mit Absicht habe ich alle politischen Fragen in den Hintergrund gestellt: ihnen steht gesonderte Betrachtung zu. Aber wie immer auch man den Ursprung des Krieges begründe, mit welchen Thesen und Gründen man ihn erklären möge – keine irdische Rechtfertigung entschuldigt das Kapitulieren der Vernunft vor der öffentlichen Meinung.

Die allgemeine Entwicklung zur Demokratie, die von einem abgestorbenen Begriff, dem ungeheuerlichen der Staatsräson, gedeckt ist, hat die Geistigen Europas verleitet, sich zu dem Glaubensartikel zu bekennen, es gäbe für den Menschen kein höheres Ideal, als Diener der Gemeinschaft zu sein. Und diese Gemeinschaft nennt man: Staat.

Ich aber scheue mich nicht zu sagen: Wer sich zum blinden Diener einer so blinden – oder verblendeten – Gemeinschaft erniedrigt, wie es die Staaten von heute sind, in denen eine Handvoll Menschen in ihrer Unfähigkeit, die Vielfalt der Völker zu begreifen, durch die Lügen der Presse, den unersättlichen Mechanismus des vereinheitlichten Staatswesens den Mitmenschen ihre eigenen Narrheiten, Leidenschaftlichkeiten und Geschäfte als ihre Gedanken und Taten aufzwingt – wer dies tut, der dient nicht in Wahrheit der Gemeinschaft, sondern er knechtet und erniedrigt sie mit sich selbst. Wer den anderen von Nutzen sein will, muß vorerst frei sein. Auch Liebe ist wertlos, solange sie die eines Sklaven ist.

Freie Seelen, starke Charaktere – das tut heute der Welt am meisten not! Auf den verschiedensten Wegen – leichenhafte Unterwerfung durch die Kirchen, dumpfe Unduldsamkeit der Vaterländer, abstumpfender Unitarismus im Sozialismus – kehren wir zur Form des Herdenlebens zurück. Nur langsam hat sich der Mensch dem heißen Lehm der Erde entrungen. Nun scheint es, als ob seine tausendjährige Anstrengung erschöpft sei, und er läßt sich wieder in das Weiche zurücksinken. Die Massenseele schluckt ihn auf, der entnervende Atem der Tiefe reißt ihn mit sich ... Auf darum! Rafft euch zusammen, ihr, die ihr glaubt, daß der Kreislauf noch nicht erfüllt sei! Wagt es, euch von der Herde abzusondern, die euch fortzieht! Jeder Mensch muß, so er ein wahrer Mensch ist, lernen, allein innerhalb aller zu stehen, allein für alle zu denken – wenn es not tut, sogar auch gegen alle! Aufrichtig denken heißt für alle denken, selbst wenn man gegen alle denkt. Die Menschheit bedarf derer, die ihr aus Liebe Schach bieten und sich gegen sie auflehnen, wenn es not tut! Nicht indem ihr der Menschheit zuliebe euer Gewissen und eure Gedanken fälscht, dient ihr der Menschheit, sondern indem ihr ihre Unantastbarkeit gegen gesellschaftlichen Machtmißbrauch verteidigt; denn sie sind Organe der Menschheit. Werdet ihr euch untreu, so seid ihr untreu gegen sie.                                                          Sierre, März 1917      R.R.

 

Romain Rolland: Clerambault. Geschichte eines freien Gewissens im Kriege. Frankfurt 1922, S. 9f. Übersetzt von Stefan Zweig. Diese Einleitung wurde im Dezember 1917 in Schweizer Zeitungen veröffentlicht.

Online: https://archive.org/stream/clerambaultgesch00rolluoft#page/8/mode/2up

 

 

 

Mehr als alle anderen Staatsmänner, die für den Friedensvertrag verantwortlich sind, ist Präsident Wilson aufs äußerste diskreditiert. Er hat nicht darauf bestanden, daß auch nur eine einzige der Friedensbedingungen, die er aufstellte, gehalten wurde … Sein Eingreifen in den europäischen Krieg war von jedem Standpunkt aus verhängnisvoll. Hätte er Amerika nicht in den Krieg gebracht, so wäre wahrscheinlich ein anständiger Friede zustande gekommen. Sein Eingreifen hat die europäische Lage außerordentlich verschärft und brodelnde Eifersucht, Haß, bösen Willen und die Gewißheit zurückgelassen, daß ein Menschenalter von Krieg und Blutvergießen vor uns liegt. Je eher er nach Amerika zurückkehrt und aufhört, sich in die internationale Politik einzumischen, für die er offensichtlich weder den Mut noch das Wissen besitzt, desto besser für den Frieden der Welt.

 

Philip Snowden in der Zeitung „Labour Leader“ am 22.5.1919. Der Brite Snowden (1864-1937) war moderater Pazifist und Sozialist. Zitiert nach: Hubertus Prinz zu Löwenstein: Deutsche Geschichte. München 1976, S. 495

 

 

 

Wir sind die beiden Flügel des Abendlandes, zerbricht der eine, so ist auch der Flug des anderen gebrochen.

 

Romain Rolland über Frankreich und Deutschland, zitiert nach: Hansres Jacobi: Romain Rolland - Gewissen der Welt. In: "Die Zeit", 51/1954 (23.12.1954), online: http://www.zeit.de/1954/51/romain-rolland-gewissen-der-welt

 

 

 

Es bleibt eine letzte Möglichkeit: die Erstrebung eines mitteleuropäischen Zollvereins, dem sich wohl oder übel, über lang oder kurz die westlichen Staaten anschließen würden. [...] das Ziel würde eine wirtschaftliche Einheit schaffen, die der amerikanischen ebenbürtig, vielleicht überlegen wäre, und innerhalb des Bandes würde es zurückgebliebene, stockende und unproduktive Landesteile nicht mehr geben. Gleichzeitig aber wäre dem nationalistischen Haß der Nationen der schärfste Stachel genommen. [...] Verschmilzt die Wirtschaft Europas zur Gemeinschaft, und das wird früher geschehen als wir denken, so verschmilzt auch die Politik. Das ist nicht der Weltfriede, nicht die Abrüstung und nicht die Erschlaffung, aber es ist Milderung der Konflikte, Kräfteersparnis und solidarische Zivilisation.

 

Walther Rathenau: Deutsche Gefahren und neue Ziele, in: Ders., Gesammelte Schriften, Bd. 1, Berlin 1925, S. 265-278, hier S. 276 ff.  Der vielseitig begabte Rathenau äußerte dies 1913, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Eine weitblickende Vision, Jahrzehnte vor EWG und EG.

 

 

 

Sehr verehrter Herr Reichspräsident! Das Reichskabinett hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, Ihnen, Herr Reichspräsident, die Empfindungen zum Ausdruck zu bringen, die uns angesichts des Schweren bewegen, das Sie in diesen Tagen zu ertragen haben. Wer an der Spitze des Deutschen Reiches steht, hat des Vaterlandes Wohl zu fördern und zu wahren. Wir haben, zum Teil in jahrelanger Zusammenarbeit mit Ihnen, Ihr Wirken kennen und Ihre Persönlichkeit politisch und menschlich schätzen gelernt. Auf Grund dieser Erkenntnis wünschen wir Ihnen zu sagen, daß wir einmütig, ohne Unterschied der Parteistellung, die Überzeugung haben, daß Ihre Tätigkeit stets dem Wohl des deutschen Vaterlandes gegolten hat. Lassen Sie uns Ihnen in diesem Sinne unsere besten Wünsche für Ihre weitere Tätigkeit in Ihrem hohen verantwortlichen Amte aussprechen.

 

Erklärung der Reichsregierung unter Leitung von Vizekanzler Karl Jarres (DVP) zugunsten von Friedrich Ebert (SPD) 1925, den die radikalen Linken und die radikalen Rechten massiv, persönlich und fortdauernd mit großem Hass angegriffen hatten. Zitiert in: Niels H. M. Albrecht: Die Macht einer Verleumdungskampagne. Antidemokratische Agitationen der Presse und Justiz gegen die Weimarer Republik und ihren ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert, vom "Badebild" bis zum Magdeburger Prozeß. S. 372. Online im Internet unter: 

https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/binary/WVCUAWZGMDL4S5KXWOXTPOEKCEBOOA4L/full/1.pdf

 

 

 

Ich müsste mich sehr, sehr täuschen, wenn dies hier noch ein gutes Ende nehmen würde. Dieser Mensch ist völlig von sich besessen, alles, was ihm nicht dient, verwirft er, was er sagt und schreibt, trägt den Stempel seiner Selbstsucht, dieser Mensch geht über Leichen und tritt nieder, was ihm im Weg steht. Ich kann nur nicht begreifen, dass selbst so viele von den Besten in Deutschland das nicht sehen, oder wenigstens aus dem, was er schreibt und sagt, eine Lehre ziehen – wer von all diesen hat überhaupt das haarsträubende Buch „Mein Kampf“ gelesen?

 

Nuntius Eugenio Pacelli (später: Papst Pius XII.) über Hitler, bereits 1929, zitiert nach: Michael Hesemann: Der Papst, der Hitler trotzte. Augsburg 2008, S. 86

 

  

 

Der Faschismus ist wesentlich negativ, er kennt Feinde, aber keine Zukunft. Die positiven Ziele sind artifiziell und beliebig (…). Wo Faschismus irgend bedeutend aufgetreten ist, lag schon völlige Erschöpfung des Konservatismus vor.

 

Johannes Gross: Unsere letzten Jahre. Stuttgart 1980, S. 274

 

 

 

Kameraden, habt ihr begriffen, daß heute der Zweite Weltkrieg begonnen hat? 

 

Hubertus Prinz zu Löwenstein am 30.1.1933 als Redner auf einer Veranstaltung des republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Berlin. Zitiert in: Ders.: Botschafter ohne Auftrag. Lebensbericht. Düsseldorf 1972, S. 84

 

 

 

Antisemitismus als Ersatzreligion des geistigen Pöbels und Instrument der Herrschaft ist stets ein Zeichen für den Verlust der Freiheit aller Staatsbürger. Die Verbrechen an den Juden, deren Volk der Erlöser dem Fleische nach entstammte, haben wesentlich zum Untergange der nationalsozialistischen Herrschaft beigetragen.  

 

Hubertus Prinz zu Löwenstein: Deutsche Geschichte. München 1976, S. 585

 

 

 

Bedenkt, daß Abraham, unser Patriarch, unser Vorfahr genannt wird. Der Antisemitismus ist mit dem Geist und der erhabenen Wirklichkeit, die in diesen Worten zum Ausdruck kommen, nicht zu vereinen. Der Antisemitismus ist eine abstoßende Bewegung, an der wir Christen keinen Anteil haben können. Es ist den Christen nicht möglich, am Antisemitismus teilzunehmen … Der Antisemitismus ist nicht vertretbar.

 

Papst Pius XI. 1938, zitiert nach: Clemens Thoma: Versteckte und verpaßte Botschaft für die Juden. Bemerkungen zu einer 1938 vorbereiteten Enzyklika über Rassismus und Antisemitismus. In: Freiburger Rundbrief. Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung, neue Folge 4 (1997), S. 241-249, dort S. 243; Georg Schwaiger: Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert. München 1999, S. 266f.

 

 

 

Der Bruch der rechtsstaatlichen Ordnung wird das Reich zum bitteren Ende einem Wahnsinnigen ausliefern, sofern nicht Wehrmacht und Gerichte den Verfassungsbruch kennzeichnen und den Usurpator stürzen.

 

Paul Lejeune-Jung in einem Brief an Gottfried Treviranus. Der Volkskonservative Lejeune-Jung wurde 1944 als Widerstandskämpfer hingerichtet.

 

 

 

Es gehört in das allgemeine Bild des europäischen Rechts- und Sittenverfalls, daß die anderen europäischen Mächte sich nicht abhalten ließen, mit Hitler Verträge zu schließen und ihn politisch und wirtschaftlich zu unterstützen. Spätestens seit der Mordaktion vom 30. Juni 1934, an der Hitler persönlich teilnahm, (…) konnte schließlich kein Zweifel mehr über das wahre Wesen des Nationalsozialismus bestehen. Auch daß das Regime schon in den allerersten Monaten Konzentrationslager in Dachau und Oranienburg errichtet hatte, wußte man, und bereits im Frühling 1933 setzte der Strom der Emigration ein, Politiker, Gelehrte, Schriftsteller und Künstler, ein repräsentativer Durchschnitt durch das gesamte deutsche Geistesleben. Sie haben den Ländern, die sie aufnahmen, mancherlei Bereicherung gebracht und in den Jahren der Verdunkelung viel dazu beigetragen, die Achtung vor dem deutschen Namen in der Welt zu erhalten.

 

Hubertus Prinz zu Löwenstein: Deutsche Geschichte. München 1976, S. 587

 

 

 

Die Lüge spannt frech ihre Flügel und die Wahrheit ist vogelfrei; die Kloaken stehen offen und die Menschen atmen ihren Stank wie einen Wohlgeruch.

 

Stefan Zweig an Thomas Mann, 18.4.1933. Zitiert nach: Hartmut Müller: Stefan Zweig. Reinbek 1988, S. 95

 

 

 

12.  Wer die Rasse oder das Volk oder den Staat oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult verherrlicht, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit vom wahren Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt.

 

Pius XI.: Enzyklika "Mit brennender Sorge" (14.3.1937), zitiert nach:

http://w2.vatican.va/content/pius-xi/de/encyclicals/documents/hf_p-xi_enc_14031937_mit-brennender-sorge.html

 

 

 

Denn was gilt eine Tat, wenn sie nicht dargestellt wird? Nie ist eine historische Tat schon vollendet, wenn sie vollzogen wird, sondern immer erst, wenn sie der Nachwelt überliefert wird. Was wir Geschichte nennen, stellt keineswegs die Summe aller bedeutenden Taten dar, die jemals in Raum und Zeit sich ereignet haben; die Weltgeschichte, die Welthistorie umfaßt einzig jenen kleinen belichteten Ausschnitt, der zufällig von dichterischer oder gelehrter Darstellung erhellt wurde.

 

Stefan Zweig: Magellan. Frankfurt 2013 (Erstauflage 1938), S. 117f. 

 

 

 

Wir haben es mit einem Gegner zu tun, der Wahrheit und Treue nicht kennt. Was sie Gott nennen, ist nicht unser Gott. Etwas Teuflisches.

 

Nuntius Eugenio Pacelli (später: Papst Pius XII.) über Hitler, bereits 1929, zitiert nach: Michael Hesemann: Der Papst, der Hitler trotzte. Augsburg 2008, S. 86

 

 

 

Die Führer der nationalsozialistischen Republik unterscheiden sich von den bisherigen dadurch, daß sie noch radikaler sind als die Novembermänner, nur haben sie sich den Mantel Friedrichs des Großen umgehängt. Alles wird von den Leuten ja beseitigt: die Fürsten, der Adel, die Offiziere, die Stände usw.; aber das wird sich rächen, man wird die einzige Fahne, die sie noch übriggelassen haben, die mit dem Hakenkreuz, noch einmal verfluchen, und die Deutschen selber werden sie eines Tages verbrennen. 

 

Der abgedankte Kaiser und König Wilhelm II., selbst nicht frei von Mängeln, hat damit am 7.9.1933 eine größere Weitsicht bewiesen als viele andere Deutsche und internationale Beobachter der damaligen Vorgänge unter Hitlers Herrschaft. Quelle: http://www.wilhelm-der-zweite.de/kaiser/kritik_ns.php der-zweite.de/kaiser/kritik_ns.php

 

 

Das Entscheidende ist nicht, was aus diesem oder jenem persönlich wird, das Entscheidende ist nicht einmal die Folge für das Volk, sondern entscheidend ist die Unerträglichkeit, daß seit Jahr und Tag im Namen des deutschen Volkes Verbrechen auf Verbrechen und Mord auf Mord gehäuft wird und daß es sittliche Pflicht ist, mit allen verfügbaren Mitteln diesen im angemaßten Namen des Volkes geübten Verbrechen Einhalt zu gebieten.

 

Generaloberst Ludwig Beck, zitiert nach: Wolfgang Foerster: Generaloberst Ludwig Beck. Sein Kampf gegen den Krieg. München 1953, S. 164

 

 

 

Alle aufrechten und ernsten deutschen Männer in staatsverantwortlichen Stellungen müssen sich berufen und verpflichtet fühlen, alle erdenklichen Mittel und Wege bis zur letzten Konsequenz anzuwenden, um einen Krieg gegen die Tschechei abzuwenden, der in seinen Auswirkungen zu einem Weltkrieg führen muß, der das finis Germaniae bedeuten würde. Die höchsten Führer der Wehrmacht sind hierzu in erster Linie berufen und befähigt, denn die Wehrmacht ist das ausübende Machtmittel der Staatsführung in der Durchführung eines Krieges. Es stehen hier letzte Entscheidungen für den Bestand der Nation auf dem Spiel; die Geschichte wird diese Führer mit einer Blutschuld belasten, wenn sie nicht nach ihrem fachlichen und staatspolitischen Gewissen handeln. Ihr soldatischer Gehorsam hat dort eine Grenze, wo ihr Wissen, ihr Gewissen und ihre Verantwortung die Ausführung eines Befehls verbietet. Finden ihre Ratschläge und Warnungen in solcher Lage kein Gehör, dann haben sie das Recht und Pflicht vor dem Volk und vor der Geschichte, von ihren Ämtern abzutreten. Wenn sie alle in einem geschlossenen Raum so handeln, ist die Durchführung einer kriegerischen Handlung unmöglich. Sie haben damit ihr Vaterland vor dem Schlimmsten, dem Untergang, bewahrt.

 

Generaloberst Ludwig Beck in einer Vortragsnotiz vom 16. Juli 1938, wiedergegeben in:

Boris Palmer: Von Pflicht zu Widerstand,

https://www.yumpu.com/de/document/view/19445152/ludwig-beck-von-pflicht-zu-widerstand-boris-palmer

 

 

 

Jetzt wird es höchste Zeit, dass die Armee eingreift, viel hat sie sich gefallen lassen, dies darf sie unter keinen Umständen mitmachen, da müssen die alten Offiziere und alle anständigen Deutschen protestieren. Aber alle sahen dieses Morden und Brennen – und rührten keinen Finger. Bisher war das ganze Nazitum der versteckte Bolschewismus, jetzt aber ist es der offene geworden. Länder müßten ihre Gesandten und Vertretungen abberufen, dann würden die Nazis schon klein beigeben. Auch die Auslandsdeutschen müssen sich jetzt von allen Naziverpflichtungen frei machen, dann werden die in Deutschland auch folgen.

 

Wilhelm II. unmittelbar nach den Pogromen vom 9.11.1938, zitiert nach: Peter Mast: Wilhelm II. In: Gerhard Hartmann / Karl Schnith (Hrsg.): Die Kaiser. 1200 Jahre europäische Geschichte, Wiesbaden 2006, S. 769-784, dort S. 784

 

 

Vergeßt in diesem Zusammenhang niemals, daß Ihr auf preußischem Boden und in preußisch-deutschen Gedanken aufgewachsen und heute an der heiligen Stätte des alten Preußentums, der Garnisonkirche, eingesegnet seid.

Es birgt eine große Verpflichtung in sich, die Verpflichtung zur Wahrheit, zu innerlicher und äußerlicher Disziplin, zur Pflichterfüllung bis zum letzten. Aber man soll niemals vom Preußentum sprechen, ohne darauf hinzuweisen, daß es sich damit nicht erschöpft. Es wird so oft mißverstanden.

Vom wahren Preußentum ist der Begriff der Freiheit niemals zu trennen.

Wahres Preußentum heißt Synthese zwischen Bindung und Freiheit, zwischen selbstverständlicher Unterordnung und richtig verstandenem Herrentum, zwischen Stolz auf das Eigene und Verständnis für Anderes, zwischen Härte und Mitleid. Ohne diese Verbindung läuft es Gefahr, zu seelenlosem Kommiß und engherziger Rechthaberei herabzusinken. Nur in dieser Synthese liegt die deutsche und europäische Aufgabe des Preußentums, liegt der ‚preußische Traum’!

Man kann das gerade jetzt nicht ernst genug betonen und ebenso, daß von solch preußisch-deutschem Denken das christliche Denken gar nicht zu trennen ist. Es ist sein Fundament, und hierfür ist unsere alte Garnisonkirche Symbol.

 

Henning von Tresckow in seiner Ansprache zur Konfirmation seiner Söhne am 11. April 1943. Zitiert nach: http://garnisonkirche-potsdam.de/fileadmin/user_upload/Website/Das_Projekt/Geschichte/tresckow.pdf (Internetpräsenz der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e.V, aufgerufen am 24.11.2015).

 

 

Jetzt wird die ganze Welt über uns herfallen und uns beschimpfen. Aber ich bin nach wie vor der felsenfesten Überzeugung, dass wir recht gehandelt haben. Ich halte Hitler nicht nur für den Erzfeind Deutschlands, sondern auch für den Erzfeind der Welt. Wenn ich in wenigen Stunden vor den Richterstuhl Gottes treten werde, um Rechenschaft abzulegen über mein Tun und mein Unterlassen, so glaube ich mit gutem Gewissen das vertreten zu können, was ich im Kampf gegen Hitler getan habe. Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott auch Deutschland um unsertwillen nicht vernichten wird. Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit das Nessushemd angezogen. Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben. 

 

Henning von Tresckow über den 20. Juli, zitiert nach: Fabian von Schlabrendorff: Offiziere gegen Hitler, Berlin 1984, S. 128f. Henning von Tresckow starb am 21. Juli 1944 durch Freitod, um nicht unter der Folter die Namen von Freunden nennen zu müssen.

 

 

 

Die „Auffassung, die ich von der weltgeschichtlichen Rolle“ Hitlers habe: „dass er ein großer Vollstrecker des Bösen ist“.

 

Hans-Bernd von Haeften vor dem Volksgerichtshof am 15.8.1944. Zitiert nach: Barbara von Haeften: „Nichts Schriftliches von Politik". Hans Bernd von Haeften: ein Lebensbericht. München 2001, S. 86 (Erstauflage 1997)

 

 

 

Ich habe mein ganzes Leben, schon in der Schule, gegen einen Geist der Enge und der Gewalt, der Überheblichkeit und des Absoluten, erbarmungslos Konsequenten angekämpft, der in den Deutschen steckt und der seinen Ausdruck in dem nationalsozialistischen Staat gefunden hat. ich habe mich auch dafür eingesetzt, daß dieser Geist mit seinen schlimmen Folgeerscheinungen wie Nationalismus im Exzeß, Rassenverfolgung, Glaubenslosigkeit, Materialismus überwunden werde.

 

Helmuth von Moltke in einem Brief an seine Söhne aus der Gefängniszelle im Oktober 1944, zitiert nach: Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. Berlin 1994

 

 

 

Der Versuch, die psychologischen Strukturen prominenter Führungsfiguren des Dritten Reichs aufzudecken, hat in einem jede Erwartung übertreffenden Maße nahezu die ganze Skala menschlicher Blößen, Mängel und Unzulänglichkeiten zutage gefördert. Eher ratlos sieht sich der Chronist jener Epoche dem Problem gegenüber, so viel Unvermögen, so viel Durchschnittsmaß und charakterliche Nichtigkeit mit den außerordentlichen Wirkungen , die davon ausgingen, in einem Zusammenhang zu bringen. 

 

Joachim Fest: Das Gesicht des Dritten Reiches. München 1966, S. 340

 

 

 

Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben, ich kann Euch für den Christbaum, wenn Ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben, kein Stück Brot, keine Kohle zum Heizen, kein Glas zum Einschneiden. Wir haben nichts. Ich kann Euch nur bitten: Glaubt an dieses Österreich.

 

Bundeskanzler Leopold Figl in seiner Weihnachtsansprache 1945. Veröffentlicht in: 

http://de.wikiquote.org/wiki/Leopold_Figl

 

 

 

Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des zweiten Weltkrieges geführt hat,

in dem festen Entschlusse, den kommenden deutschen Geschlechtern die Segnungen des Friedens, der Menschlichkeit und des Rechtes dauernd zu sichern,

gibt sich das Bayerische Volk, eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte, nachstehende

demokratische Verfassung.

 

Verfassung des Freistaats Bayern, Präambel.                                                                                               

In: http://www.verfassungen.de/de/by/bayern46.htm

 

 

 

Dieser Film, der im Sommer 1947 in Berlin gedreht wurde, will nichts anderes sein als ein objektives und wahrhaftes Bild dieser riesigen und fast völlig zerstörten Stadt, in der dreieinhalb Millionen Menschen ein schlimmes, verzweifeltes Dasein fristen, fast so , als seien sie sich dessen gar nicht bewusst. Sie leben in einer Tragödie, als sei diese ihr natürliches Lebenselement. Aber das tun sie nicht aus einer Seelenstärke oder Überzeugung heraus, sondern einfach aus Erschöpfung. Hier geht es nicht um eine Anklage gegen das deutsche Volk und auch nicht um seine Verteidigung, sondern um eine sachliche Bestandsaufnahme der Tatsachen. Sollte jedoch jemand glauben, nachdem er diese Geschichte von Edmund Köhler miterlebt hat, es müsste etwas geschehen, man müsste den deutschen Kindern beibringen, das Leben wieder lieben zu lernen, dann hätte sich die Mühe desjenigen, der diesen Film gemacht hat, mehr als gelohnt.

 

Roberto Rossellini im Vorspann seines Filmes Germania anno zero (Deutschland im Jahre Null) 1947

 

 

 

Art. 1 Grundgesetz

 

1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

 

https://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01/245122

 

 

 

Ihnen, meine Damen und Herren vom Deutschen Bundestag, als den legitimierten Vertretern des deutschen Volkes habe ich folgende Erklärung abzugeben.

Die jüngsten Vorgänge in der Ostzone und in Berlin sind kennzeichnend für den tragischen Weg des deutschen Volkes seit 1933. Sie unterstreichen mit aller Klarheit und Deutlichkeit noch einmal die Zerreißung des deutschen Gebiets in zwei Teile, in einen östlichen Teil, bewohnt von rund 18 Millionen Deutscher, die in der Unfreiheit sowjetischer Satellitenstaaten dahinleben, und einen westlichen Teil mit 45 Millionen Einwohnern, der sich zwar noch nicht im vollen Besitz der Freiheit befindet, in dem aber die Souveränitätsrechte eines demokratischen Staates immer mehr in deutsche Hände gelegt werden und in dem - ich hebe das auf das nachdrücklichste hervor - die Menschen sich der persönlichen Freiheit und Sicherheit erfreuen, ohne die ein menschenwürdiges Dasein für uns nicht denkbar ist.

(Beifall.)

Ich habe von dem Schicksalsweg des deutschen Volkes seit 1933 gesprochen. Um der historischen Wahrheit willen muß man davon sprechen, daß die Tragik des deutschen Volkes nicht erst 1945 mit der Kapitulation, die bedingungslos die gesamte militärische und staatliche Macht den Siegern übergab, begann, sondern 1933 mit der Machtergreifung Hitlers.

(Sehr richtig! in der Mitte und bei der SPD.)

 

Regierungserklärung des Bundeskanzlers Konrad Adenauer am 21.10.1949 in der 13. Sitzung des Deutschen Bundestags zur Gründung der DDR. Wiedergegeben in: 

http://www.kas.de/upload/dokumente/reden.pdf, S. 14

 

 

 

Wir als Christen wissen zutiefst, daß der Ursprung aller unserer Not in der Abkehr des Menschen von Gott zu suchen ist. 

 

Georg Dertinger, CDU (Ost), erster Außenminister der DDR, lt. Protokoll des 6. Parteitags der DDR-CDU Oktober 1952 (ACDP 071-011-2031, Bl. 166-191, dort Bl. 189f). Sein Ziel war die Deutsche Einheit. Allerdings war Dertinger, der zu einer Agententätigkeit zugunsten der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland gezwungen war, daran beteiligt, dass die Ost-CDU zu einer undemokratischen, unselbständigen Blockpartei an der Seite der SED wurde, was mit christlichen Werten und Tugenden unvereinbar war.  Als er auf dem gleichen Parteitag die katholische Soziallehre lobend hevorhob, waren seine Tage in der Regierung gezählt; das Oberste Gericht der DDR verurteilte ihn zu einer langjährigen Zuchthausstrafe. 

 

 

 

Aber am auffallendsten ist, daß die Parlamente im Bund wie in den Ländern damals von Menschen geprägt waren, die gleichsam eine Biographie besaßen und nicht nur einen Lebenslauf. Und diese Biographien, die vielfach mit dem Scheitern des Weimarer Anlaufs zur Demokratie zu tun hatte, in jedem Einzelfall jedoch mit den Hitlerjahren, also mit Verfolgung, Krieg, Zerstörung und den politisch-moralischen Folgen von alledem, gab ihnen allen einen großen, leidenschaftlichen Ernst. Jede parlamentarische Auseinandersetzung war damals eine Debatte über Grundsatzfragen und bestätigte die Regel, daß ein großer rhetorischer Streit auch des großen Anlasses bedarf. Womöglich ist dies schon einer der Hauptgründe dafür, daß jene Jahre so weit entfernt wirken. Denn das Parlament ist zusehends zu einem Ratifizierungsinstitut für die Verteilungsfragen geworden, die das wachsende Sozialprodukt aufwirft. Selbst die dramatische Phase der deutsch-deutschen Einigung, die doch wahrhaftig ein großer Anlaß war und wo zeitweilig ein historischer Tag dem voraufgegangenen den Rang ablief, ist rhetorisch nicht angemessen begleitet worden.

 

Joachim Fest über die frühe Bundesrepublik. In: Autorität und Menschlichkeit. Laudatio auf Willy Brandt anlässlich der Verleihung des Dolf-Sternberger-Preises 1992. In: Joachim Fest: Bürgerlichkeit als Lebensform. Reinbek 2008, S. 260-277, dort S. 262

 

 

 

Liebe zur freien Entfaltung menschlicher Kräfte gebietet das Übergreifen totalitärer Gewalten auf die Teile der Welt, wo Freiheit noch ein Dasein hat, wenn nicht zu verhindern, so doch zu verzögern. Stalins Bündnis mit Hitler wie dessen Vorspiel, die gemeinsamen Attacken von Kommunisten und Nationalsozialisten auf die Weimarer Republik, sind nicht solange vergangen, daß meine Furcht vor der Verwandtschaft dessen, was heute  sich kommunistisch nennt, mit faschistischem Terror nicht lebendig wäre.  

 

Max Horkheimer: Gesammelte Werke, Bd. 18, Frankfurt 1988, S. 649f.

 

 

 

Jede Kanone, die gebaut wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel gelassen wird, jede abgefeuerte Rakete bedeutet letztlich einen Diebstahl an denen, die hungern und nichts zu essen bekommen, an denen, die frieren und keine Kleidung haben. Eine Welt unter Waffen verpulvert nicht nur Geld allein. Sie verpulvert auch den Schweiß ihrer Arbeiter, den Geist ihrer Wissenschaftler und die Hoffnung ihrer Kinder.

 

Dwight D. Eisenhower: Chance for peace Speech, 16.4.1953. Wiedergegeben in: 

http://www.eisenhower.archives.gov/all_about_ike/speeches/chance_for_peace.pdf

 

 

 

Ulbricht oder seinesgleichen werden dranbleiben, bis die Sowjetunion aus Gründen, die heute leider weniger zu erkennen sind als vor einigen Jahren, einmal grünes Licht für die Wiederherstellung unserer staatlichen Einheit geben wird.

 

Willy Brandt in einem Schreiben an Waldemar von Knoeringen, August 1959. Zitiert in: 

http://www.willy-brandt.de/fileadmin/brandt/Downloads/Zitate_von_Willy_Brandt_120608.pdf

 

 

You will sink into a bottomless military and political quagmire, however much you spend in men and money.

 

Charles de Gaulle zu John F. Kennedy, ca. 31.5.1961, über Vietnam. In: Richard Reeves. Profile of Power, New York 1994, S. 149. 

 

 

 

Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf den oder die vermeintlichen Anführer oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, dass in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei Finger auf ihn selbst zurückweisen.

 

Bundesjustizminister Gustav Heinemann in seiner Fernsehansprache am 14.4.1968 nach den gewalttätigen Ausschreitungen gegen den Springer-Verlag, die dem Mordversuch an Rudi Dutschke folgten. Zitiert nach: N.N.: Dokumente der Zeit. Das Kleid der Freiheit. In: „Die Zeit", 15.4.1988, online: http://pdf.zeit.de/1988/16/das-kleid-der-freiheit.pdf

 

 

 

Als Freund sage ich Ihnen, daß die Beendigung des Krieges in Vietnam der wertvollste aller Siege sein wird, ein Sieg, den Sie vor allem über sich selbst errungen haben.

 

Frankreichs Staatspräsident Georges Pompidou zu Richard Nixon in Washington Februar 1970, zitiert in: N.N.: USA/Nixon-Doktrin. Geheime Protokolle. In: Der Spiegel, 10/1970, S. 105-106, dort S. 106. 

 

 

 

Was ich im August Ihnen aus Moskau gesagt habe, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, gilt auch für den Vertrag mit Polen: Er gibt nichts preis, was nicht längst verspielt worden ist. Verspielt nicht von uns, die wir in der Bundesrepublik Deutschland Verantwortung tragen und getragen haben. Sondern verspielt von einem verbrecherischen Regime, vom Nationalsozialismus. 

 

Willy Brandt: Fernsehansprache aus Warschau, 7. Dezember 1970. In: Willy Brandt: Der Wille zum Frieden. Perspektiven der Politik. Hamburg 1971, S. 254

 

 

  

Arbeite lieber für die Beseitigung von konkreten Mißständen als für die Verwirklichung abstrakter Ideale.

 

Karl Popper: Utopie und Gewalt. In: Georg Lührs [u.a.] (Hrsg.): Kritischer Rationalismus und Sozialdemokratie. Bonn 1975, S. 303-315, dort S. 311

 

 

 

Das Nationalgefühl bleibt verwundet, wir leben nicht im ganzem Deutschland. Aber wir leben in einer ganzen Verfassung, in einem ganzen Verfassungsstaat, und das ist selbst eine Art von Vaterland. 


Dolf Sternberger: Verfassungspatriotismus. In: Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23.5.1979, S. 1

 

 

 

Wenn wir die Welt nicht wieder ins Unglück stürzen wollen, müssen wir unsere Träume der Weltbeglückung aufgeben. Dennoch können und sollen wir Weltverbesserer bleiben. Wir müssen uns mit der nie endenden Aufgabe begnügen, Leiden zu lindern, vermeidbare Übel zu bekämpfen und Mißstände abzustellen; immer eingedenk der unvermeidbaren ungewollten Folgen unseres Eingreifens, die wir nie ganz voraussehen können.

 

Karl Popper: Das Elend des Historizismus. Tübingen 1979, S. VIII

 

 

 

Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die Hölle.

 

Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. 2, Tübingen 1992, S. 277

 

 

 

Am 8. Mai 1945 brach das nationalsozialistische Regime endgültig zusammen. Wir wurden von einem furchtbaren Joch befreit, von Krieg, Mord, Knechtschaft und Barbarei. Und wir atmeten auf, als das Ende kam ... am 8. Mai fiel nicht nur die Hitler Diktatur, es fiel auch das Deutsche Reich. Das Deutsche Reich war kein Werk Hitlers, es war der Staat der Deutschen, das Werk eines großen deutschen Staatsmannes. Es war für Generationen von Deutschen das Vaterland, das wir liebten, wie jeder Mensch auf der Welt sein Vaterland liebt. Sollten wir es weniger lieben, weil sich ein Diktator seiner bemächtigt hatte, oder weil es jetzt zerstört am Boden lag? Und so gedenken wir des Kriegsendes mit Schmerz. Nein, wir Deutsche haben heute keinen Anlaß zum Feiern... Der 8. Mai 1945 ist ein widersprüchlicher Tag in der deutschen Geschichte.   

 

Walter Scheel, Rede zum 30. Jahrestag des Kriegsendes, Mai 1975. Bulletin 7.05.75/59/550 (6.5.1975)

 

 

 

 

Zwanzig Jahre war unser Volk ohne Radikalismus ausgekommen. Warum sollte es ihn nun brauchen? Washatte sich geändert? Ach ja – die Gesellschaftsformen hatten sich verkrustet. Wenn sie nur mit Radikalismus aufgebrochen werden könnten, dann würden sie bluten, nicht heilen. Wenn der Wiederaufbau Deutschlands nur ohne Radikalismus und in unverletzter Freiheit möglich war, dann wird auch seine Erhaltung nur ohne Radikalismus oder gegen Radikalismus möglich sein.

 

Matthias Walden: Kassandra-Rufe. München 1975, S. 84

 

 

 

Mancher, dem die Demokratie nach 20 Jahren als eine fade Suppe erschien, vergriff sich in den Gewürzen. Mancher, dem das Salz der Opposition nicht scharf genug war, liebäugelte mit dem Pfeffer des Radikalismus, auch wenn er selbst kein Radikaler war […] Als so etwas [Radikalismus von unten als Antriebsmittel für Reformen von oben] behauptet wurde, wäre es höchste Zeit gewesen, nicht mehr nur über die Radikalen zu sprechen, sondern auch über die kühnen Köche, die das Gericht, von dem wir leben, mit dem Gewürz des Radikalismus würzen wollten. Denn was sie für Pfeffer hielten, könnte sich nach dem Verzehr als Zyankali herausstellen. Vor den Folgen der gepriesenen Würze würde ein nachträglicher Hinweis auf eine bedauerlich falsche Dosierung jedenfalls nicht geschützt haben.

 

Matthias Walden, Kassandra-Rufe. München 1975, S. 102f.    

 

 

 

Die siebziger Jahre haben als das Jahrzehnt der Verheißungen begonnen, als das der Enttäuschungen gingen sie zu Ende. Das gilt für alle Seiten: für die linken Utopisten, die noch schneller mit ihrem Latein am Ende waren, als sie es in ihren Schulen abschaffen konnten, wie für die konservativen Beschwerdeführer, die aus dem Scheitern ihrer volksbeglückenden Gegner auf eine Tendenzwende schlossen; ein Kater macht aber noch keine Bekehrung. Die Kulturrevolution lief, Bürokratie geworden, weiter, niemand hatte ein Gegenkommando gegeben, keine Viererbande wurde enttarnt. Ein barbarischer Akt gegen Besitz und Bildung, Gesetz und Gesittung war in die Pädagogik eingedrungen, zum Prinzip des Kulturbetriebs geworden und geblieben: ein provinzieller Rückgriff aufs Vergangene, Antiwestliche, eine Burschenherrlichkeit von links, echt deutsch und durch kein Stirnrunzeln der älteren, der umerzogenen Generation aus der Welt zu schaffen. Die politische Opposition verhielt sich konstruktiv nach dem Motto: Nachgeben ist seliger denn Übelnehmen.

 

Johannes Gross: Unsere letzten Jahre. Stuttgart 1980, S. 10

 

 

 

Spätestens seit dem Ende der sechziger Jahre wurde es üblich, jede historische Wahrnehmung, die nicht der damals herrschend werdenden Vorstellung folgte, der heimlichen Komplizenschaft mit dem „Faschismus“ zu zeihen. Nicht auf den wissenschaftlichen Befund, das, wie versuchsweise auch immer, vorgetragene Ergebnis arbeitender Existenz kam es an; entscheidend wurden vielmehr die häufig bloß vermuteten Motive dessen, der sie vorlegte.

 

Joachim Fest: Die geschuldete Erinnerung. In: FAZ, 29.8.1986

 

 

 

 

Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren.
Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder beherzigen und ein Beispiel geben.
Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.

 

Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8.5.1985 vor dem Deutschen Bundestag. Da dieser Appell gerade auch heute noch von großer Bedeutung ist, sei er hier zitiert. 

 

 

 

So möchte ich uns aufrufen zur Besinnung auf das Ethos eines politischen Pragmatismus in moralischer Absicht, unter moralischer Zielsetzung. Das heißt, das, was wir erreichen wollen, das, was wir tun wollen, das muß moralisch begründet sein. Der Weg, auf dem wir das Ziel zu erreichen suchen, muß realistisch sein, er darf nicht illusionär sein. Aber was immer wir auch anstreben, vergessen dürfen wir nicht, daß der, der ein fernes Ziel erreichen will, sehr viele kleine Schritte tun muß.

(Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)

Es sollte keiner glauben, daß solch Ethos die politischen Ziele ihres Glanzes beraube oder den politischen Alltag seines Feuers. Die Erreichung des moralischen Ziels verlangt pragmatisches, vernunftgemäßes politisches Handeln, Schritt für Schritt. Und die Vernunft erlaubt uns zugleich doch auf diesem Weg ein unvergleichliches Pathos. Denn keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.

Ich danke Ihnen sehr.

(langanhaltender lebhafter Beifall bei der SPD – Beifall bei der CDU/CSU, der FDP und bei Abgeordneten der GRÜNEN – Die Abgeordneten der SPD erheben sich)

 

Schlusspassage von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidts Abschiedsrede im Deutschen Bundestag. Wiedergegeben in: Deutscher Bundestag, 10. Wahlperiode, Stenographischer Bericht. 228. Sitzung, Bonn, Mittwoch, den 10. September 1986, S. 17685. Hervorhebung im Original.

 

 

 

Das polnische Volk ist vor fünfzig Jahren das erste Opfer des von Hitler-Deutschland vom Zaune gebrochenen Krieges geworden. Es  soll wissen, dass sein Recht, in sicheren Grenzen zu leben, von uns Deutschen weder jetzt noch in Zukunft durch Gebietsansprüche in Frage gestellt wird. Das Rad der Geschichte wird nicht zurückgedreht. Wir wollen mit Polen für ein besseres Europa der Zukunft arbeiten. Die Unverletzlichkeit der Grenzen ist Grundlage des friedlichen Zusammenleben in Europa. 

 

Hans-Dietrich Genscher vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 27.9.1989. In: Hans-Dietrich Genscher/Karel Vodička: Zündfunke aus Prag. Wie 1989 der Mut zur Freiheit die Geschichte veränderte. München 2014, S. 13

 

 

 

Man schreibt das Jahr 1989. Die Mauer fiel. Überall, auf  ihrer ganzen schaurigen Länge von 165 Kilometern, stömten die Berliner aus Ost und West zusammen, um sie niederzureißen...Gewitzte Händler schoben sich durch die glücklichen Massen und verkauften Mauerbrocken als Souvenirs.

 

James P. O’Donell, amerikanischer Publizist, in "Reader's Digest" im Jahre 1979 (in Worten: neunzehnhundertneunundsiebzig), zitiert in: Ralf Bohn/Dieter Fuder: Baudrillard. Simulation und Verführung. München 1994, S. 78, und in: Joachim Fest: Die schwierige Freiheit. Berlin 1993, S. 19

 

 

 

Ohne freie, würdige und mündige Bürger gibt es auch keine Freiheit freier und unabhängiger Nationen. Ohne inneren Frieden, d.h. den Frieden zwischen dem Bürger und dem Staat, gibt es nicht einmal die Garantie des äußeren Friedens: Der Staat, der den Willen und die Rechte seiner Bürger nicht achtet, gibt keinerlei Garantie, den Willen und die Rechte anderer Menschen, Nationen und Staaten zu achten.

 

Vaclav Havel: Am Anfang war das Wort, Reinbek 1990, S. 148, zitiert in: Michael Žantovský: Václav Havel. In der Wahrheit leben. Die Biographie. Berlin 2014, S. 309

 

 

 

Der ökonomische Kollaps [der DDR] deutete sich 1981 an und wurde 1983 offensichtlich. (…) Ende 1987 kam ich zu der Erkenntnis: Jede Chance ist verspielt. Vom Osten war keine Hilfe möglich, und zum Westen konnte die Wende zur umfassenden Wirtschaftskooperation wegen latent wirkender politischer Widerstände in unseren Reihen nicht erfolgen. Ohne die Wiedervereinigung wäre die DDR einer ökonomischen Katastrophe mit unabsehbaren sozialen Folgen entgegengegangen, weil sie auf Dauer allein nicht überlebensfähig war.

[zur Frage nach den Hauptfehlern der SED-Wirtschaftspolitik]: Das sozialistische System insgesamt war falsch, wie wir heute wissen. Es ist eine Illusion, in der Planwirtschaft nach einem Weg zu suchen und ihn zu finden. Die Wirtschaft muß mit Gewinn arbeiten, wie das in einer Marktwirtschaft ist.

 

Günter Mittag im „Spiegel“-Gespräch, „Der Spiegel“, 45. Jg. (1991), Nr. 37, S. 88-101, dort S. 88. Hier spricht ein Kronzeuge, d.h. ein Hauptverantwortlicher, der in einem totalitären System politische Macht besessen und als Nomenklaturist persönliche Vorteile genutzt hatte. 

 

 

 

Die Menschen in der DDR wollten den Lebensstandard wie im Westen haben. Und der tragische Irrtum vieler Ostdeutscher lag darin, zu glauben, mit der D-Mark werde sich automatisch der Lebensstandard des Westens einstellen. Das war falsch, wie man leicht hätte voraussehen können. Das Angebot der Regierung Kohl, die D-Mark in der DDR einzuführen, kam völlig überraschend und ohne Vorbereitung. Die Währungsunion ist der Hauptgrund dafür, dass Ostdeutschland zurückbleibt und der Abstand eher größer wird. Die Betriebe mussten von einem Tag auf den andern ihre Löhne in D-Mark bezahlen. Und das konnte natürlich niemand. Alle Betriebe in der DDR waren am 1. Juli 1990 faktisch zahlungsunfähig.

 

Karl Otto Pöhl, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank rückblickend in der „Süddeutschen Zeitung" 29.6.2000

 

 

 

„Dass das System den Zweifel nicht zulässt“ – das ist Schabowskis Antwort auf die Frage nach dem „Kernfehler“ der kommunistischen Ideologie. Weiter: „Indem wir nie etwas in Zweifel gezogen haben, haben wir uns vergottet. Das ist allerdings ein universelles Phänomen: Der Mensch ist nie dagegen gefeit, seinen Erkenntnisgrad zu überschätzen“.

 

Günter Schabowski: Wir haben fast alles falsch gemacht. Berlin 2009,  S. 94. Viele haben sich um 1989/90 gewendet, Schabowski hat sich stattdessen gewandelt. 

 

 

 

Auch im Vaterland von Marx und Engels wurde [mit dem Ableben der DDR] der Beweis geliefert, dass deren soziale Theorie, auf die gesellschaftliche Versuchsstrecke gebracht, im Fiasko endete. Es wurde, wie der Philosoph Karl Popper, einer der Weisen unserer Zeit, einmal formulierte, mit dem erstrebten Himmel auf Erden die Hölle produziert. Die Lebenstauglichkeit der Theorie konnte nur durch den Versuch in der Wirklichkeit erkundet werden. Er verlief negativ.

 

Günter Schabowski: Wir haben fast alles falsch gemacht. Berlin 2009,  S. 252f.

 

 

 

Das System, dessen politische Klasse und Führung ich seit 1981 als Kandidat und seit 1984 als Mitglied des Politbüros der SED angehört habe, hat vor dem Leben, vor der Wirklichkeit versagt (…). Unser messianischer Anspruch, zu wissen, wie die Utopie der Gerechtigkeit zu zimmern sei, muss sich nach dem Scheitern den Spruch der lebensfähigen Realität gefallen lassen (…). Die innere Logik einer Gesellschaftsidee, die die Rolle des Individuums niedriger veranschlagt als das Gemeinwohl eines abstrakten Menschheitsbegriffs, treibt zur Inhumanität. Wir erkannten nicht, dass Menschheit entmenschlicht wird, wenn der Einzelne, um ein Bild bei Artur Koestler auszuleihen, nur der Quotient von fünf Milliarden durch fünf Milliarden ist. Banale Verwirklichung der Utopie hat sich als Prokrustesbett herausgestellt, in dem das Individuum auf ein fragwürdiges Idealmaß zurechtgemöbelt wird (…). Nicht erst den Prozess vor Augen, habe ich bekannt und bekräftige es heute: Als einstiger Anhänger und Protagonist dieser Weltanschauung empfinde ich Schuld und Schmach bei dem Gedanken an die an der Mauer Getöteten (…).

 

Erste Erklärung Schabowskis vor dem Berliner Landgericht, 22.2.1996. In: Ders.: Wir haben fast alles falsch gemacht, Berlin 2009, S. 258

 

 

 

Dabei beginnt auch die Ahnung zu dämmern, dass eine Gesellschaft der selbstauferlegten Verbote und Restriktionen bedarf. Jahrelang waren die Anwälte solcher Einschränkungen die Spottfiguren eines Zeitgeistes, der jeden Verstoß gegen Konventionen, Regeln oder auch nur Stil und Geschmack als Gewinn neuer Freiheiten bejubelte. Die Kulturetats hätschelten jede vom Kunstvorbehalt notdürftig verhüllte Barbarei, sofern sie nur vorgab, das zu demolieren, was als Form, Takt, Anstand und damit als verkrustete Struktur, auch als unbefragte Autorität im allgemeinen Verruf stand: in der Literatur, im Film und mit Vorliebe im Traumbezirk enthemmter Stadtväter, auf dem Theater. Wie konnte man glauben, dass dieser Zerstörungsprozess irgendwo haltmachen werde? Es gab und gibt seit langem kein Tabu, das demjenigen, der es bricht, nicht rasche Prominenz, Umsatz, Ermunterung, Etats oder auch Einschaltquoten verbürgte.

 

Joachim Fest: Das letzte Tabu. Gedanken nach Rostock und Mölln. In: FAZ, 30.1.1993. Wieder veröffentlicht in: Joachim Fest: Nach dem Scheitern der Utopien. Reinbek 2008, S. 70-72, dort S. 71

 

 

 

Don't invade Iraq. Inspections work, war don't. 

The virtual march on Washington will allow every American opposed to the war to stand up and be counted, by calling, faxing and emailing the US Senate and the White House. 

 

Martin Sheen, in: martinsheen.net/id148.html

 

 

 

What the Bush administration is primarily interested in is the regime change in the United States, not regime change in Iraq or South East Asia or the Balkans. A foreign war is a wonderful lollipop to stuff in the mouth of a possibly quarrelsome press.

 

Lewis H. Lapham, in: thinkexist.com/quotes/lewis_h._lapham

 

 

 

Europa braucht eine radikale Reform, ein anderes Modell der Gesellschaftsordnung, ein anderes sozio-ökonomisches System. Wir brauchen ein Europa der wirtschaftlichen Freiheit, ein Europa des kleinen und sich nicht ausdehnenden Staates, ein Europa ohne staatlichen Paternalismus, ein Europa ohne pseudomoralisierende politische Korrektheit, ein Europa ohne intellektuellen Snobismus und Elitismus, ein Europa ohne supranationale, gesamtkontinentale Ambitionen. Zusammengefasst, wir brauchen ein Europa ohne Ideologie des Europäismus. Das ist "el tema de nuestro tiempo" (die Aufgabe unserer Zeit), wie es vor 80 Jahren der spanische Denker Ortega y Gasset genannt hat. 

 

Vaclav Klaus: Europa, die Europäische Union und die heutige europäische Wirtschaft: Gesehen mit den Augen eines ehemaligen osteuropäischen Volkswirts und eines heutigen osteuropäischen Politikers. In: Vaclav Klaus: Europa? Augsburg 2012, S. 83-90, dort S. 90 

 

 

 

Ich (will) ein Europa auf der Basis von Intergovernmentalismus, das heißt auf einem Minimum von Supranationalismus. Ich will ein Europa, das auf vernünftiger und freundschaftlicher Zusammenarbeit von gleichwertigen und souveränen europäischen Staaten basiert. Ich will kein von oben organisiertes Heimatland aller Europäer. Vor allem will ich die Bürgerschaft, die das Grundprinzip jeder menschlichen Gemeinschaft darstellt, in der es möglich ist, in Freiheit zu leben. Dadurch hat sich Europa vom Rest der Welt bis jetzt am meisten unterschieden. Die Bürgerschaft auf kontinentaler Ebene zu erschaffen, geht aber nicht. Sie kann nur auf der Ebene des Staates (und der Staaten) existieren. Die halte ich für unbestreitbar. 

 

Vaclav Klaus: Konversion der europäischen Integration in eine bürokratische Unifikation. In: Vaclav Klaus: Europa? Augsburg 2012, S. 168-176, dort S. 170

 

 

 

Der 3. Oktober 1990 brachte nicht nur die deutsche Einheit, sondern beendete auch die Vormundschaft der Siegermächte. Der Zwei-plus-vier-Vetrag ist de facto der Friedensvertrag, der den Zweiten Weltkrieg abschloss, und wir sollten dankbar dafür sein, dass es bei 2+4 blieb statt 2+48, denn so viele Staaten hatten am Ende der NS-Diktatur den Krieg erklärt. Bei formellen Friedensverhandlungen wären Deutschland reichlich offene Rechnungen präsentiert worden.

 

Richard Schröder: „Eine verrückte Theorie von zwei Nationen auf deutschem Boden“. In: Eckhard Jesse/Thomas Schubert (Hrsg.): Friedliche Revolution und Demokratie. Perspektiven nach 25 Jahren. Berlin 2015, S. 29-41, hier S. 31

 

 

 

Die wahren Verteidiger der Lehre sind nicht die, die den Buchstaben verteidigen, sondern die, die den Geist verteidigen, nicht die Ideen, sondern den Menschen.

 

Papst Franziskus nach Ende der Bischofssynode. In: Franziskaner. Magazin für Franziskanische Kultur und Lebensart, Winter 2015, S.22. Online: http://cld.bz/a4cng6p#22

 

 

 

For years, the issue of ending interventionist, regime change warfare has been one of my top priorities. This was the major reason I ran for Congress—I saw firsthand the cost of war, and the lives lost due to the interventionist warmongering policies our country has pursued for far too long.

 

Seit Jahren ist die Frage der Beendigung interventionistischen Kriege mit dem Ziel des Systemwechsels eine meiner wichtigsten Prioritäten. Dies war der Hauptgrund, warum ich für den Kongress kandidierte – ich sah die Kriegskosten mit eigenen Augen, und die vielen Leben, die vernichtet wurden wegen unserer interventionistischen und kriegslüsternen Politik, die unser Land viel zu lange betrieben hat.

 

Tulsi Gabbard (Hawaii), Mitglied des US-amerikanischen Repräsentantenhauses, auf ihrer website mit Datum 21.11.2016, abgerufen am 22.11.2016: http://gabbard.house.gov/index.php/press-releases/655-gabbard-statement-on-meeting-with-president-elect-donald-trump

 

 

 

Gleichsetzungen der Politik des demokratischen Deutschlands mit der des Nationalsozialismus weisen wir entschieden zurück. Ohnehin sind NS-Vergleiche immer absurd und deplatziert, denn sie führen nur zu einem, nämlich dazu, die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen. Das disqualifiziert sich von selbst.

 

Der Sprecher der Bundesregierung, Staatssekretär Steffen Seibert, am 6.3.2017 anlässlich der Behauptung des türkischen Staatspräsidenten Erdogan, der Nationalsozialismus gehe in Deutschland „noch immer weiter“, nachdem in der Bundesrepublik Wahlkampfauftritte türkischer Minister abgesagt worden sind. Quelle: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2017/03/2017-03-06-deutsch-tuerkisches-verhaeltnis.html.  

Dementsprechend sind auch die beinahe täglich vorkommenden, ehrverletzenden Vergleiche, ja Gleichsetzungen demokratischer Politiker und Parteien mit der Hitlerbewegung zu verurteilen. Stattdessen ist eine Bekämpfung des Extremismus mit den Mitteln der streitbaren, wehrhaften Demokratie vorzuziehen.

 

 

 

© Dr. Stefan Winckler