Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Historiker und Buchautor
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Von den ersten Christus-Filmen bis zur Prophezeitung Pauls Vi.

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Stefan Winckler

Leben und Passion Jesu auf der Leinwand

 

Ganze Bücher ließen sich zu diesem Thema füllen, doch für NON NOBIS wollen wir uns hier auf wenige Filme beschränken.

 

Bewegte Bilder gibt es seit der Herstellung des Kinematografen (Kamera, Kopiergerät, Projektor in einem) durch die Brüder Lumière 1895.

 

Erste Schritte

 

Bereits 1897 entstanden ganze sechs kurze Filme alleine über die Passion Jesu. Gedreht wurde im Studio und mit Laien. Es stellte sich die Frage, ob Jesu Leben realistisch und angemessen würdevoll gezeigt könne – oder ob ein Film das Erhabene, vielleicht gar nicht Abbildbare trivialisiert, wenn nicht gar lächerlich erscheinen lässt. Auch ein grundsätzlicher Gegensatz von Glaube und Kommerz war zu diskutieren.

Von 1903 datiert ein längerer, teilweise kolorierter Spielfilm, „La vie et la passion de Jesus Christ“ (44 Minuten) – den der Vatikan auf seiner Liste wertvoller Filme empfiehlt (https://de.wikipedia.org/wiki/Filmliste_des_Vatikans). Er ist der älteste erhaltene Langfilm.

 

Aus Italien ist ein Film mit dem Titel „Christus“ (88 Minuten) von 1916 überliefert, der in Aufwand und Gestaltung (Massenszenen) ein beachtlicher Vorläufer biblischer Monumentalfilme ist. Trickaufnahmen von Traumsequenzen wirken revolutionär für die damalige Zeit.

 

Die Kreuzigung auf der Leinwand

 

In Deutschland verarbeitete Robert Wiene, bekannt durch „Das Cabinett des Dr. Caligari“, im Jahre 1923 die Passion unter dem Titel „I.N.R.I. - ein Film der Menschlichkeit“. Als Vorlage diente ein Roman von Peter Rosegger. Die Kreuzigung ist in eine Rahmenhandlung eingebettet: ein kommunistischer Attentäter wird durch die Lektüre der Evangelien zum Christen geläutert und entkommt der Todesstrafe. So war dieser Film gegenwartspolitisch intendiert: 1923 war das Jahr eines kommunistischen Aufstandsversuchs in Deutschland, und auch der russische Bürgerkrieg war in Erinnerung. Als Jesus-Darsteller war der unbekannte Schauspieler Gregori Chmara, ein gebürtiger Ukrainer, zu sehen. Mit Asta Nielsen (Maria Magdalena), Henny Porten (Maria) und Werner Krauss (Pilatus) war dieser Film prominent besetzt. Er war der erste deutsche deutsche Bibelfilm, der über abfotografierte Passionsspiele hinausging.

In Frankreich drehte Julien Duvivier („Don Camillo“) 1935 „Das Kreuz von Golgatha“ - der erste Tonfilm über Jesus. Ein Film, der im nationalsozialistischen Deutschland nicht gezeigt werden durfte: christliche Stoffe waren tabu. Im konservativ-katholischen „Ständestaat“ Österreich lockte „Golgatha“ allerdings den Staatspräsidenten Wilhelm Miklas und Theodor Kardinal Innitzer, zahlreiche hohe und niedere Kleriker sowie Repräsentanten der Regierungsbürokratie zur Premiere. Die Produktion wartet mit hochkarätigen Chrakterdarstellern auf: Jean Gabin (als Pontius Pilatus) und Edwige Feuillere (als Pilatus' Ehefrau). Die texttreue Wiedergabe von Jesu Worten nach den Evangelien verbindet sich mit superber optischer Qualität.

Die „Passion Christi“ von Mel Gibson (2004) hebt die Grausamkeit der Hinrichtung stark hervor und erwies sich mit einem Einspielergebnis von 600 Millionen Dollar als einer der kommerziell erfolgreichsten Filme überhaupt. Die katholische Kirche reagierte gespalten: Bischof Müller (Regensburg) lobte, Kardinal Wetter aus München war von vornherein ablehnend (und wollte ihn nicht sehen).

 

Amerikanischer Sittenkodex für die Darsteller von Jesus und Maria

 

Cecil B. DeMille inszenierte die Jesus-Biografie „König der Könige“ (1927). Wikipedia schreibt: „Der Film [König der Könige] entstand unter moralisch strengen Richtlinien. So wurden die beiden Hauptdarsteller [Henry Byron] Warner [Jesus] und Dorothy Cumming [Maria] vertraglich verpflichtet, in einem Zeitraum von fünf Jahren ihr Image als Gottessohn und -mutter nicht zu gefährden. Dies beinhaltete die Abstinenz von Ballbesuchen und Nachtclubs, das strikte Verbot von Kartenspielen, das Verbot des Besuchs von Freibädern und das Fahren mit Cabrios“. Warner hat sich übrigens nicht daran gehalten.

 

Erbauungsfilme aus der Endphase des klassischen Hollywood

 

Die Neuverfilmung „König der Könige“ von Nicholas Ray („Denn sie wissen nicht, was sie tun“) stammt von 1961. „Die größte Geschichte aller Zeiten“ hatte 1965 Premiere, als die Zeit des Monumentalfilms schon vorbei und der gesellschaftliche Wandel im Gange war. Dort spielt der Schwede Max von Sydow, einer der bevorzugten Mimen Ingmar Bergmans, Christus. Regisseur war der hoch angesehene George Stevens („Giganten“). 1973, während der Dreharbeiten zu „Der Exorzist“, bekannte Sydow gegenüber William Friedkin, er sei Atheist und habe damals Jesus als Menschen und nicht als Person Gottes dargestellt. Jedoch lobte die katholische Bischofskonferenz der USA (Sydows Einstellung nicht kennend) dessen Leistung als „nachdenklich und zurückhaltend“.

Heute wirken diese monumentalen Farbfilme etwas altmodisch, auch durch die als feierlich gedachte Musik. Sicher gab es von den frühesten Stummfilm-Versuchen an eine Gefahr des übergroßen Pathos einerseits und der übermäßigen Vermenschlichung Jesu andererseits. So erwies sich die „Größte Geschichte aller Zeiten“ als ein Flop an den Kinokassen, die Kritiker reagierten reserviert.

Den heutigen Sehgewohnheiten kommen verschiedene italienische Werke entgegen.

 

 

Neorealismus und Bildungsfernsehen: Roberto Rossellini

 

Rossellini (1906-1977), der sich eher als Dokumentarist denn als Teil einer „Traumfabrik“ sah, kam immer wieder auf den christlichen Glauben und auf Priester in seinen Filmen zurück. Besonders viel dürfte ihm der Heilige Franziskus („Gaukler Gottes“, 1950) bedeutet haben. In dem sehenswerten Kinodrama „Europa 51“ kreierte er einen „weiblichen Franziskus der Gegenwart“, gespielt von seiner Ehefrau Ingrid Bergman. Diese Figur hilft den Armen im Nachkriegs-Rom tatkräftig und wird deswegen von der eigenen Familie in ein „Irrenhaus“ verfrachtet: so viel Uneigennützigkeit könne ja nur krankhaft sein. Eine Gesellschaftskritik aus christlicher Perspektive!

Roberto Rossellini wandte sich in den 1960er Jahren einem anspruchsvollen Genre zu: Biografien großer Persönlichkeiten für das öffentlich-rechtliche Fernsehen RAI. Er verfilmte u.a. das Leben des Augustinus und des christlichen Philosophen Blair Pascal sowie die „Geschichte der Apostel“ (vier Teile, RAI 1969 und ZDF 1970). „Der Messias“ folgte 1975. Diese größtenteils gelungene TV-Bearbeitung des Neuen Testaments bettet das Leben Jesu in die Geschichte und das Alltagsleben des jüdischen Volkes seit den frühen Propheten ein. Jesus erscheint als perfekte Persönlichkeit, auf dessen Botschaft es dem geisteswissenschaftlich kenntnisreichen Regisseur ankam. Wunder werden in diesem eher sparsamen TV-Drama nicht inszeniert, denn der Mysterienglaube war Rossellini fremd. Selbst die Kreuzigung ist nur sehr kurz zu sehen. Der neorealistische, dokumentarische, authentische Stil ist ein Gegenentwurf zu den oft sentimentalen, star-dominierten US-Monumentalfilmen der 1950er Jahre mit ihren Schauwerten. Das gleiche lässt sich für seine TV-Apostelgeschichte sagen. Die Musik wirkt im besten Sinne „antik“: sie versucht die Instrumentierungen der Antike wiederzugeben und passt perfekt.

 

Pier Paolo Pasolini: Beifall im Vatikan

 

Einer jüngeren Generation gehörte Pier Paolo Pasolini (1922-1975) an. Er galt als Kommunist, Atheist, er war ein Linksintellektueller und ein immer wieder für Empörung sorgender Nonkonformist. Und doch schuf er den weithin gelobten Film „Das 1. Evangelium – Matthäus“ (1964). Er nannte Jesus „sanft im Herzen, aber nie im Denken“. Offensichtlich war Pasolinis Einstellung zum Christentum nach seiner frommen Kindheit Schwankungen unterworfen, da er anscheinend an seiner nachfolgend rein marxistischen, materialistischen Weltanschauung ab den frühen 1960ern zweifelte: „[W]as ich nicht entmystifizieren kann, ist das zutiefst irrationale, in gewisser Weise auch religiöse Geheimnis der Welt“ (vgl. https://www.moviepilot.de/news/pier-paolo-pasolini-der-christliche-atheist-151887/seite-2). Wer den Film sieht und Pasolinis Zitate gegenliest, kann zum Schluss kommen, dass Pasolini Jesus liebte und Anhänger des frühesten Urchristentums (vor Paulus) war, aber Jesu Botschaft in der Lehre der katholischen Kirche nicht mehr wiedererkannte. Offenbar sah er sich durch das Pontifikat von Johannes XXIII., dem er diesen Film widmete, ermutigt, seine Einstellungen und Gefühle publik zu machen. In späteren Jahren scheint er sich wieder davon entfernt zu haben, indem er seinen eigenen Jesus-Film teilweise distanziert betrachtete: Die Kirche sah er auf der Seite der Herrschenden und „völlig jenseits der Lehre des Evangeliums handelnd“ (1974).

Die religiöse Dimension kommt in seiner Verfilmung zur Geltung, zumal jeder Satz des Film-Jesu dem Matthäus-Text entnommen ist und nichts Wesentliches ausgespart oder hinzugedichtet wird. Mit Laiendarstellern in Italien und Marokko gedreht, handelt es sich zugleich um eine sozialkritische Interpretation, verbunden mit einer nahezu perfekten Kamera- und Schmitttechnik, die für die Verhältnisse seinerzeit als sehr modern gelten konnte, und eine weitgehend konventionelle Musikauswahl (Bach, Mozart). Bei der Erstaufführung im Vatikan 1964 sollen die anwesenden Geistlichen 40 Minuten lang applaudiert haben. Pasolinis Jesus-Deutung steht seit 1995 auf der vatikanischen Liste herausragender Filme, während sie radikalen Linken als konformistisch erschien.

 

Franco Zeffirelli und eine päpstliche Prophezeiung

 

Zeffirelli (geb. 1923) wagte sich nach seiner Franziskus-Biografie „Bruder Sonne, Schwester Mond“ an den sechsstündigen Fernseh-Vierteiler „Jesus von Nazareth“ (1977): „Ich habe die Absicht, das Publikum ein wenig aufzuregen. Zum ersten Mal werden wir eine menschliche Geschichte von Christus, dem Menschen, sehen.“ Ihm gelang eine teure romanhafte Veranschaulichung von Jesus Leben und Sterben in einem kitschfreien Stil, der das alte Hollywood hinter sich gelassen hat, aber ohne Neuinterpretationen und mit manchen erfundenen Dialogen/Szenen unterhält, eher konventionell als herausfordernd, voller Informationen über die wichtigsten Protagonisten und auch über das alltägliche Leben. Zuschauer- und Kritikerlob findet sich für die technisch perfekte Produktion reichlich. Zeffirelli, der vor allem Opern inszeniert und sich als Shakespeare-Interpret („Romeo und Julia“) einen Namen gemacht hatte, versammelte ein Aufgebot an bekannten Charakterdarstellern: James Mason, Fernando Rey, Peter Ustinov (Herodes), Laurence Olivier und viele weitere waren dabei, neben zahlreichen unbekannten Akteuren. Wie in den anderen hier erörterten Filmen übernahm ein (fast) Namenloser die Titelrolle: Robert Powell - der sich in einem Kloster auf die Rolle vorbereitete.

Interessant erscheinen Zeffirellis Verbindung zum Vatikan und sein Glauben: Paul VI. habe seinen Einfluss geltend gemacht, um einige Hindernisse bei der Vorbereitung des gigantischen Filmprojekts aus dem Wege zu räumen, erklärte Zeffirelli rückblickend. Der Regisseur selbst erhalte seit der Uraufführung fortwährend „Briefe voller Warmherzigkeit und Dankbarkeit“ – auch von Menschen, die sich durch den Film ermutigt fühlten, sich einem Leben in einem geistlichen Orden oder als Kleriker zu entscheiden. Zeffirelli: „Ich habe lediglich getan, was ich als der Christ, der ich in der Tiefe meines Geistes bin, vermochte“. Es mag daher nicht verwundern, dass er seinen eigenen Glauben durch die Dreharbeiten gestärkt sieht. Das gesamte Team habe das Gefühl gehabt, „von einer höheren Macht geleitet“ zu sein. Paul VI. dankte Zeffirelli in einer Privataudienz 1977 und fragte, was die Kirche für ihn tun könne. Zeffirelli: „Ich würde dieses Werk gern auch nach Russland bringen“. Der Papst antwortete, „hab Vertrauen. Bald wird anstelle der roten Flagge die Flagge Unserer Lieben Frau über dem Kreml wehen“. Am 8. Dezember 1991, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, beendete der Austritt Russlands, Weißrusslands und der Ukraine die UdSSR. Die Jelzin-Regierung ließ die rote Fahne für immer einrollen (vgl.: https://de.zenit.org/articles/papst-paul-vi-half-mit-franco-zeffirelli-uber-seinen-film-jesus-von-nazareth/).

 

Erwähnte Filme, soweit relevant und online in voller Länge recherchierbar:

 

La Passion (1898): https://www.youtube.com/watch?v=QJDAr-Flofw (älteste erhaltene Kopie)

Leben und Passion Christi (1903): https://www.youtube.com/watch?v=fxjy3lXU_wg

 

Christus (1916): https://www.youtube.com/watch?v=fOO2WB7lB6g

 

INRI (1923): https://www.youtube.com/watch?v=-7gqSsTW4CQ

 

Golgotha (1935): https://www.youtube.com/watch?v=YCNkRqCRCvw

 

Das erste Evangelium – Matthäus (1964):

https://www.youtube.com/watch?v=coEsbwoVpJ0

 

Die Geschichte der Apostel (1969): https://www.youtube.com/watch?v=382Ftq8qIeE, https://www.youtube.com/watch?v=ayAvx9z5iVI, https://www.youtube.com/watch?v=im6RL2t_n4k, https://www.youtube.com/watch?v=YLoYHbh3x1k

Der Messias (1975): https://www.youtube.com/watch?v=jd7YyW7MwEw

Jesus von Nazareth (1977): https://www.youtube.com/watch?v=ruLjkt-5Kao

 

 

Literatur

Manfred Tiemann: Bibelfilme (AT):

https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/bibelfilme-at/ch/5d0d856da9b2269edf1e4ee8b4c946a7/

 

Ders.: Bibelfilme (NT):

https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/bibelfilme-nt/ch/e24b0fdaf8422ea1c44c6ff4d17c8e40/

 

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