Buchautor Geschichte, Vergangenheit Literatur, Geschichte Deutschland
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Historiker und Buchautor
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Ein streifzug durch die Kulturgeschichte der K.I.

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Stefan Winckler

"Wir sind die Roboter!"

Androiden als Thema in Musik und Film

 

 

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) ist en vogue. Google nennt 6.630.000 Ergebnisse für diesen Suchbegriff. „Artificial Intelligence“ wird sogar 158 Millionen Mal behandelt (25.2.2020). Eine immer weniger zu überschauende populärwissenschaftliche Literatur liegt vor. Beinahe schon erwartungsgemäß veröffentlichen „Bild der Wissenschaft“ und „Spektrum der Wissenschaft“ binnen Jahresfrist Sonderhefte über „Künstliche Intelligenz“. K.I. ist aber alles andere als ein rasch vergängliches Modethema.

In den Medien, weniger im realen Leben, ist die künstliche Intelligenz freilich schon seit Jahrzehnten präsent. Hier eine kleine Auswahl.

In den 1970er Jahren, als deutscher Schlager, „volkstümliche Musik“ und auffallend ausstaffierte Popstars den Schallplattenumsatz maßgeblich bestimmten, war die Düsseldorfer Gruppe „Kraftwerk“ Vorreiter einer rein elektronischen Musik, zu der auch eine Annäherung an das Thema Roboter gehörte. Schon das Äußere der Combo war untypisch für die damalige Zeit: schlicht, unpersönlich, distanziert. Zu den Höhepunkten dieses Trends gehörte die LP „Die Mensch-Maschine“ (Absatz: hunderttausend Stück in Deutschland); im gleichnamigen Stück wird mehrfach die Zeile „halb Wesen, halb Ding“ wiederholt. In „Wir sind die Roboter“ heißt es, „Wir sind auf alles programmiert. Und was du willst wird ausgeführt“.

Das klang ja (noch?) beruhigend, dass sich die künstliche Intelligenz den Befehlen des Menschen unterwirft. Nichtdestoweniger ist der Roboter kulturgeschichtlich eher negativ angelegt. In dem legendären Film „Metropolis“ (1927!) verführt ein Roboter in Gestalt einer jungen Frau die Arbeitermassen dazu, lebenswichtige Maschinen zu zerstören.

Weniger bekannt (zumindet außerhalb Tschechiens) ist das Theaterstück R.U.R. von Karel Čapek (1890-1938), in dem androide Roboter als Arbeitskräfte auftreten.

Bekanntlich lehrt die Katholische Kirche: Der Mensch ist fähig, sich zum Guten wie zum Bösen zu entscheiden. Kann ein Mensch gegen seinen Willen „konfiguriert“ und manipuliert werden, bis er zur freien Willensentscheidung unfähig ist? Also zur programmierten Mensch-Maschine (im übertragenen Sinne) wird? Die kakotopische, bitter-satirische Novelle „Uhrwerk Orange“ (1962) von Anthony Burgess handelt nicht von einem Elektronengehirn, sondern von einem Menschen, einem widerlichen und kriminellen Menschen. Er wird einem Uhrwerk, also einer Maschine, ähnlich gemacht, indem er durch Gehirnwäsche in seiner Willensfreiheit erheblich beschnitten wird. Er wird „programmiert“ und dadurch von einem Menschen zu einem seelenlosen Objekt heruntergestuft, das sich nicht mehr wehren kann und das sogar unfähig zu ästhetischem Genuss wird: nicht nur der Drang zur Gewalt, auch der Gedanke an seine geliebten Beethoven-Symphonien wird ihm durch massive Schmerzschübe ausgetrieben. Nicht zufällig ist die teilweise verstörende 1971er Verfilmung (Regie: Stanley Kubrick) durch einen elektronisch verfremdeten Soundtrack gekennzeichnet, der alte Inhalte, etwa Beethovens Musik, aufgreift und „futuristisch“ verarbeitet.

In Kubricks sehr rätselhaft-anspruchsvollen Science-fiction-Film „2001 - Odyssee im Weltraum“ (1968) ist zwar zunächst Harmonie angesagt, wenn sich die natürlichen und die künstlichen Satelliten zu Walzerklängen durch den Weltraum bewegen. Doch dann stehen sich Mensch und Computer feindlich gegenüber: ein Machtkampf auf Leben und Tod! Der leitende und lenkende Computer „HAL 9000“ durchtrennt den Astronauten die Sauerstoffzufuhr, wird aber dann selbst durch Raumschiffkommandant David Bowman abgeschaltet. Nicht ohne Widerspruch des Elektronengehirns, das um sein weiteres Bestehen bettelt („I know I've made some very poor decisions recently, but I can give you my complete assurance that my work will be back to normal. I've still got the greatest enthusiasm and confidence in the mission. And I want to help you. Dave, stop. Stop, will you? Stop, Dave. Will you stop, Dave? Stop, Dave. I'm afraid. I'm afraid, Dave. Dave, my mind is going. I can feel it. …“) .

In „Alien“ (1979), einem allseits hochgelobten und einflussreichen Spielfilm über die Konfrontation von Astronauten mit außerirdischem Leben, ist ein Roboter namens Ash äußerlich vollkommen humanoid – und gerade er vertritt die Interessen eines gigantischen Konzerns im Zweifelsfall gegen die Astronauten.

In dem düster-utopischen Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ (1968) von Philip K. Dick hat ein Mann die schwierige Aufgabe, künstliche Menschen (Replikanten) zu eliminieren, denn sie haben sich von ihren Schöpfern emanzipiert, bis hin zur Revolution. Diese Replikanten sind den Menschen äußerlich gleich, aber intelligenter und physisch stärker. Wenn es mit der Empathie der Menschen nicht mehr weit her ist – werden echte und synthetische Menschen dann immer ähnlicher? Werden sie immer weniger unterscheidbar? Die Verfilmung unter dem Titel „Blade Runner“ mit Harrison Ford (1982) ist in Los Angeles im Jahre 2019 angesiedelt (allerdings hat das Film-LA kaum Ähnlichkeit mit der realen Stadt von heute).

 

Neigen Roboter zur Unberechenbarkeit, oder ist gar der Machtkampf mit dem menschen programmiert? Isaac Asimov, weltbekannt als Science-Fiction-Autor, widerspricht schon 1950 in den „Regeln eines Roboters“:

 

1., „Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

2., Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

3., Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.“

 

Wir kennen heute die unermesslichen Vorteile der Künstlichen Intelligenz, etwa in der Medizin (vgl. den Beitrag von Dr. med. Richard Straube). Was die Zukunft bringt, ist offen (v.a. wenn wir bedenken, dass sich das menschliche Wissen immer schneller verdoppelt). Auch die künstliche Intelligenz wird in einem immer höheren Tempo erweitert, verbessert, vervollkommnet. Es kann sich durchaus einmal die Frage stellen, wann wer wen beherrscht.

Die bayerische Staatsministerin für Digitalisierung Judith Gerlach hat, wie ich denke, passende Worte gefunden:

 

Die menschliche Unvollkommenheit ist unser Trumpf!
Beim Hightech Summit an der TU München habe ich im Expertenpanel „Unser Leben mit KI“ darüber gesprochen, wie wir Künstliche Intelligenz für uns nutzen können. Der technologische Fortschritt macht es möglich, dass wir uns auf Algorithmen verlassen können, die nach streng objektiven Kriterien entscheiden. Trotzdem sind wir der Technologie einen großen Schritt voraus, denn: wir sind nicht perfekt!


Wir zweifeln, überdenken unsere Entscheidungen, holen eine zweite Meinung ein. Wir hören auf unser Bauchgefühl. KI und unser gesunder Menschenverstand – für mich eine unschlagbare Kombination. Deswegen müssen wir Menschen die Werte definieren, die bei der Entwicklung von KI eingehalten werden müssen. Wir sind der Kompass, der KI zum Nutzen der Menschen den Weg weist.

 

Der Roboter mag technisch perfekt sein, aber in jeglicher Hinsicht kalt (passend dazu die unterkühlten elektronischen Klänge von „Kraftwerk“). Der Mensch hat die Freiheit, sich zu Gutem oder Schlechtem zu entscheiden, er mag mehr oder weniger für Ethik und Empathie zugänglich sein. Und das ist unbezahlbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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