Stefan Winckler
Historiker und Buchautor

 Kathedrale 

Die Kathedrale St. Michel e Ste. Gudele, Sitz des Erzbischofs von Mecheln und Brüssel, liegt auf dem Treurenberg östlich des historischen Stadtmittelpunkts und ist vom U-Bahnhof Centrale leicht zu erreichen. „Treuren“ ist das niederländische Wort für „Jammern“ oder „Klagen“, denn an dieser Stelle befand sich einst ein gefürchtetes Gefängnis. Der Kirchenstandort ist allerdings viel älter, da hier ein Rastplatz am Kreuzungspunkt zweier Handelsstraßen der Verehrung des Reisepatrons St. Michael diente.
St. Gudula ist die Nationalheilige Belgiens und Stadtpatronin von Brüssel. Hier sind ihre Gebeine bestattet.  Der Kopf St. Gudulas gelangte als Schenkung an Hildegard von Bingen und fand seine letzte Ruhe in der Kirche von Rüdesheim-Eibingen. Der Reliquienschrein fiel dem Wüten der Calvinisten 1579 zum Opfer.
Die Hauptkirche,  der Michaelskirche aus karolingischer Zeit nachfolgend, ist im Stil der Brabanter Gotik gebaut. Der Chor entstand ab 1236. Haupt- und Querschiff können auf das 14. und 15. Jahrhundert datiert werden. Die markanten Türme sind 69 Meter hoch, ebenso hoch wie die ähnlich aussehenden Türme an der Westfassade von Notre Dame de Paris. Das Langhaus, im Inneren gemessen, ist mit 110 Metern etwas kürzer als Notre Dame, und mit 50 Metern um zwei Metern breiter. Das Kirchenschiff, 26,50 Metern hoch, ist niedriger angelegt als jenes in Paris.
Die Kathedrale St. Michel e Ste. Gudula ist nicht die größte Kirche Belgiens. Sie wird von der Onze-Lieve-Vrouwekathedraal in Antwerpen übertroffen.
Die ältesten Buntglasfenster befinden sich in der nördlichen Kapelle links neben dem Chor. Johann III. von Portugal,  Ludwig III. von Ungarn und Franz I. von Frankreich, allesamt mit Schwestern Karls V, verheiratet (die ebenso abgebildet sind) sowie Karl selbst mit Gemahlin Eleonora Luise  und sein Bruder König Ferdinand waren die Stifter und sind daher hier verewigt. Die fünf Fenster des hohen Chors bilden Familienangehörige Karls V. ab: die Großeltern Kaiser Maximilian und Gemahlin Maria, die Eltern Philipp und Johanna, Karl V. mit Gemahlin sowie König Ferdinand; Philipp II. mit Gemahlin Maria Tudor; auch sie waren Stifter. Die Fenster der südlichen Marienkapelle aus dem Jahre 1656 zeigen die Muttergottes und die Erzherzöge. Im Querschiff auf der nördlichen Seite: Karl V. mit Gemahlin und ihren Schutzpatronen.  Auf der südlichen Seite: Ludwig III. von Ungarn und Ehefrau.
Zwölf Apostelfiguren aus dem 17. Jahrhundert flankieren den Mittelgang. Viel jünger sind die Fenster des Langhauses aus dem 19. Jahrhundert, die von führenden belgischen Familien des 19. Jahrhunderts gestiftet wurden.
Die kurz nach der Kirchenrestaurierung in den 1990er Jahren installierte neue Orgel, eine riesige Schwalbennestorgel, stammt von der renommierten spanischen Firma Grenzing. Ihr Gewicht beläuft sich auf 30 Tonnen.
Weitere und genauere Beschreibungen sind in den ausliegenden Kirchenführern aus dem Verlag Schnell und Steiner nachzulesen.
In der Kathedrale feiert die Königsfamilie das traditionelle Te Deum zum Auftakt des Nationalfeiertags am 21. Juli.

Chorscheitelkapelle

Taufkapelle

Orgel


Musumsraum 



Gedenken an die britischen Gefangenen des Ersten Weltkriegs

St. Gudula


Prozessionsszene

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